Der Trend geht zum Jahrgangsdöner

Die Bayern. Wächter der Weißwurst. Vor zig Jahren belehrten sie mich, dass eine Weißwurst bis zum Mittag ihres Herstellungstages gegessen sein muss. Vier Stunden später nachmittags essen? Undenkbar. Jedenfalls für einen Bayern.
Umso mehr erstaunt es mich, dass ausgerechnet in Bayern Fleisch auftaucht, dass nicht vier Stunden, auch nicht vier Tage, vier Wochen oder vier Monate später aufgetischt wird, sondern vier Jahre. “Wir können bei 215.000 Lebensmittelunternehmern in Bayern nicht jedes Schnitzel und jedes Steak kontrollieren”, sagte der bayrische Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf vor ein paar Tagen in einem Interview. Ich glaube, er hat da was nicht verstanden, er soll nicht die Schnitzel kontrollieren, sondern die Händler. Aber weil die Bayern gerne Vorreiter für alles mögliche sind, entdecken sie ja vielleicht ihr Heil in der Flucht nach vorne und verkaufen die alten Fleischbestände demnächst als Jahrgangsdöner. Bin gespannt, wann ich zur ersten vertikalen Dönerprobe eingladen werde, und ob dann wohl der legendäre 2002er gegen den ebenfalls formidablen 2003er bestehen kann. Ich bin übrigens sicher, dass es in Deutschland noch Gefriertruhen gibt, die einige exquisite Jahrgänge aus den Neunzigern behüten. Los, raus damit, Leute!