Erhellendes Porträt von Jürgen Dollase im stern

DollaseMorgen kommt schon die neue Ausgabe des stern, aber ich habe erst jetzt entdeckt, dass im aktuellen Heft ein ausführliches Porträt von Restaurantkritiker Jürgen Dollase (FAZ / Feinschmecker) zu finden ist. Ich war bisher nur zum Lesen der RAF-Titelstory gekommen.
Die von Bert Gamerschlag unterhaltsam erzählte Geschichte zeigt uns einen Mann mit bewegter Vergangenheit. Als Elitesoldat, Musiker, Maler und Rotlichtkonsument war er unterwegs, bevor ihn die Berufung durchfuhr, auf Köche zu schießen, statt auf Pappkameraden der DDR-Volksarmee. Angeblich, so schreibt Gamerschlag, achten ihn die Köche für seine präzisen, manchmal vernichtenden Kritiken, obwohl sie seinen vertrackten Schreibstil kaum verstehen. Ich glaube, ihre wahre Meinung über Dollase werden Spitzenköche kaum öffentlich kundtun, dafür hat der im Ruhrpott geborene und aufgewachsene Dollase schon zuviel Einfluß. Wenn er irgendwo auftaucht (im Ruhrgebiet gerne zwischen Weihnachten und Neujahr) und ein Lokal lobt oder tadelt, stehen dort schon kurze Zeit später die Michelintester auf der Matte.
Ich erinnere mich auch noch dunkel an einen Fernsehbeitrag (ZDF?), in dem Dollase Deutschlands besten Koch, Harald Wohlfahrt, wie einen Schuljungen zum Rapport antreten ließ. Jedenfalls wirkte es auf mich so, und ich fand’s absolut grenzwertig. Respektlos. Und einer wie Wohlfahrt hat Respekt verdient. Das ändert selbstverständlich nichts an der Tatsache, dass sich der 58-jährige Dollase intensiver als jeder andere Kritiker hierzulande mit dem Geschehen auf dem Teller befasst. Er isst gut, weil er sich nicht ablenken lässt. Und er versteht es, Gerichte zu dechiffrieren. Wenn es ein Haar in der Suppe zu finden gilt, und sei noch so klein, Dollase wird es aufspüren.