Wir müssen über Parker reden. Müssen wir?

Robert M. Parker croppedDer Dezember ist zweifellos der Weinkaufsmonat des Jahres. Denn Wein darf auf keiner festlichen Tafel fehlen, und auch als Lastminute-Weihnachtsgeschenk steht er hoch im Kurs. Wer aber nun nicht gerade Experte ist, dem fällt die Orientierung oft schwer. Was kaufen? An dieser Stelle kommt gewöhnlich Robert M. Parker ins Spiel, der amerikanische Weinpapst. Ein Mann, dessen Urteile und Empfehlungen nicht nur Einfluss auf die Weinpreise sondern bekanntlich auch auf das Winemaking haben. Über nichts wird in der Weinwelt so oft und heftig gestritten wie über diesen Mann.
Nun sorgt ein vermeintliches Enthüllungsbuch der ehemaligen Parker-Mitarbeiterin Hanna Agostini für Aufregung. Sie bezichtigt ihren Ex-Chef, angeblich Weine bewertet zu haben, die in Wahrheit nie über seine Zunge glitten, und behauptet, Parker sei in den letzten Jahren oft nur etwa sieben Tage pro Jahr in Frankreich gewesen. So jedenfalls steht es in einer Story, die stern-online Ende Oktober gemacht und die der geschätzte Kollege Mario Scheuermann in seinem drinktank blog ausführlich auseinander genommen hat. Ich habe das alles zwar aufmerksam verfolgt, aber es ging mir schlicht gegen den Strich, in die tausendundeinste Debatte über Parker einzusteigen, die nahezu immer den gleichen Ausgangspunkt hat: Mr. Robert M. Parker am Pranger. Deshalb habe ich mich mit einem posting bisher zurückgehalten.
In der Sache, also über seine Bewertungen, kann meiner Meinung nach gerne immer wieder gestritten werden. Aber dieses schon zu einer unrühmlichen Sportart verkommene Parker bashing, diese verbalen Schläge unter die Gürtellinie, die als Behauptung einer angeblich mangelnden Unabhängigkeit oder als indirekt formulierte Bestechlichkeitsvorwürfe verteilt werden, sind schlicht grobes Foulspiel. Und da schließe ich ausdrücklich Stewart Pigotts im Interview auf Welt online gemachte und nicht näher begründete Behauptung ein, es gäbe “Gründe, an Parkers Seriosität zu zweifeln”. Derartige Statements bringen mich dann doch wieder dazu, einen Kommentar zum Thema abzugeben.
Ganz nebenbei noch ein Outing: Ich habe auch schon von Parker und seinen Mitarbeitern “entdeckte” Weine gekauft. Einige davon haben mir sogar richtig Freude bereitet.
Wer übrigens für die Feiertage noch gute Tropfen sucht, aber nur wenig Geld investieren kann oder will, sollte unbedingt noch mal in unserer Ergebnisliste des rewirpower-Weintests 2007 stöbern.