Weihnachtskuriositäten: Kartoffelsalat mit Würstchen

Natürlich weiß ich, dass in vielen deutschen Familien an Heiligabend Kartoffelsalat gegessen wird, aber dass sie eine derart große Fraktion stellen, war mir bislang unbekannt. In einem Beitrag des NDR wird jedenfalls behauptet, dass ein Drittel aller Deutschen Kartoffelsalat an Heiligabend vertilgen. Na, wer diese Zahl wohl ermittelt hat. Die CMA? Oder doch der
Weihnachtsmann?
Ich habe nun wirklich nichts gegen Kartoffelsalat. Im Gegenteil. Samstagmittag vor dem Abmarsch ins Fußballstadion einverleibt, kann Kartoffelsalat sogar zur wahrhaft rituellen Speisung werden. Aber auch auf die Gefahr hin, mächtig Widerspruch zu ernten – am Heiligabend ist Kartoffelsalat für mich ein eher unpassendes Gericht.
Über die möglichen Hintergründe der Traditionsentstehung ist im Netz einiges zu finden. Ein Argument bezieht sich auf die ursprüngliche adventliche Fastenzeit, die allerdings deutlich älter ist als der nutzpflanzliche Kartoffelanbau in Europa, der erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts relevant wurde. Und von gelebter adventlicher Fastenzeit kann heute ohnehin kaum noch die Rede sein, für diese Erkennntnis reicht eine Blindverkostung der Gerüche auf den unzähligen Weihnachtsmärkten zwischen Kiel und Konstanz.
Heute hat es wohl eher praktische Gründe, dass Kartoffelsalat, meist zusammen mit Bockwürstchen, (aber dann müssen es zur Feier des Tages natürlich mindestens Deutschländer sein) gegessen wird, denn die übliche Hektik am Heiligabend, an dem sehr viele Menschen noch bis mittags arbeiten und alle anderen Geschenke und Lebensmittel besorgen müssen, macht ein Abendessen, a la minute vorbereitet, schwierig. Trotzdem kollidiert für mich die festliche Glitzeratmosphäre des Abends mit der sehr spartanischen Verpflegung, und deshalb favorisiere ich ein kleines Dreigangmenü, das sich gut vorbereiten lässt.
Wer aber nun seinen Kartoffelsalat an Heiligabend lieb gewonnen hat, den möchte ich auf eine Seite des NDR verweisen, wo Johann Lafer und Ralf Zacherl mit zwei empfehlenswerten Rezepten am Start sind. Lafers Veriante ist aber wohl eher nix für Kinder.