Nationale Verzehrsstudie: Armes, dummes, dickes Deutschland?

Als ich vor einigen Monaten auf die anstehenden Befragungen zur nationalen Verzehrsstudie hinwies, machte ich mich noch lustig über die Fotos auf der Internetseite zur Studie. Ein paar Gurkenscheiben auf weißen Tellern angerichtet, dienten den Machern des Beitrags als (vor-)bildlicher Themenbezug. Jetzt sind die ersten Ergebnisse bekannt gegeben worden, angesichts derer einem sogar noch die paar Gurkenscheiben im Hals steckenbleiben. In Deutschland sind nämlich satte 66 Prozent der Männer und 50,6 Prozent der Frauen übergewichtig oder adipös. Beim starken Übergewicht liegen Männer und Frauen wieder einigermaßen gleichauf: Jeder fünfte Bundesburger, pardon bürger, gilt als deutlich übergewichtig. Auffällig: Je höher der Schulabschluss desto geringer ist der Body Mass Index (BMI) bei Männern und Frauen. Und mit steigendem Pro-Kopf-Nettoeinkommen zeigt sich bei Männern und Frauen ein Absinken des BMI. Da der BMI nur bedingt aussagekräftig ist (muskulöse Menschen verfügen z.B. trotz sehr niedrigen Körperfettanteils über einen hohen BMI, weil Muskelgewebe eine deutlich höhere Dichte als Fettgewebe aufweist und deshalb schwerer ist) wurde bei der Untersuchung auch noch der Taillenumfang gemessen und entsprechend berücksichtigt.
Sehr speziell finde ich die Fragen zum Thema Ernährungswissen. Was schließe ich daraus, wenn nur 58 Prozent der Befragten aus drei angebotenen Beschreibungen die richtige Erklärung für probiotischen Joghurt geben können und 66,7% die richtige Definition für ACE- Getränke angeben? Dass sie über geringes Ernährungswissen verfügen, wenn sie das nicht wissen? Oder wenn sie mit “5 am Tag” nicht die Kampagne “Fünf Mahlzeiten am Tag” assoziieren? Na ja.
Vor einigen Wochen las ich im digitalen Spiegel eine Story von Philip Bethge über den Beitrag des Kochens zum Hirnwachstum. Evolutionstheoretisch gesehen, natürlich. Vor ungefähr zwei Millionen Jahren begann der Mensch zu kochen, zitiert Bethge den Biologen Richard Wrangham von der Harvard University in Oxford, der damit die bisher angenommene Initialzündung des Kochens um bedingt erbsenzählerische 1,2 bis 1,8 Millionen Jahre vorverlegt. Das Essen von gekochter Nahrung, so Wrangham, habe die Hirnentwicklung beschleunigt, das Sozialgefüge beeinflusst und Paarbindungen mit entsprechender Rollenverteilung gefördert. Ein bisschen zweifelhaft wirkt seine Behauptung aber schon deshalb, weil Feuerstellen vom Menschen frühestens erst seit 750.000, wahrscheinlich sogar erst seit 250.000 Jahren genutzt worden sein sollen. Wrangham hält dagegen und verweist auf entsprechend Funde sowie den Entwicklungsfortschritt des Menschen zu jener Zeit.
Aber egal. Ich frage mich etwas ganz anderes. Wenn Kochen den Menschen klug gemacht hat, dann, so rückschließe ich mal verwegen, macht Nichtkochen dumm. Gefahr also für alle Rohkostfreunde, tendenziell also besonders Vegetarier, weil die weniger kochen. Laut irgendeiner Statistik soll es aber gerade unter Wissenschaftlern die meisten Vegetarier und Rohköstler geben. Merkwürdig. Ist das vielleicht der Grund, warum den Menschen noch nichts Kluges eingefallen ist, um die großen Probleme der Menschheit wie Krieg und Umweltzerstörung zu lösen? Weil zu viele Rohkostfreunde für das wissenschaftliche Denken zuständig sind? Du liebe Güte, das mag ich jetzt kaum zu Ende denken. Langfristig macht Rohkost dumm, kurzfristig allerdings dünn und damit weniger dumm und weniger arm.
Mein Fazit aus diesen Erkenntnissen und der nationalen Verzehrsstudie: Die Menschen sollen wieder mehr Kochen und weniger Rohkost essen, damit sie nicht Jahrtausend um Jahrztausend wieder dümmer werden. Also weg mit den Gurkenscheiben. Sowas hilft nur kurzfristig, genau wie probiotische Produktvokabeln auswendig zu lernen und übersetzen zu können. Und lecker ist das alles mal überhaupt nicht. Aber was tun mit den vielen übergewichtigen Deutschen, die offenbar zu arm und zu dumm sind, um schlank sein zu können? Ja, da fallen mir nur wieder die nie eingehaltenen Wahlkampfversprechen der Politiker ein: mehr Arbeitsplätze, bessere Bildungschancen insbesondere für Kinder aus sozial schwachen Familien.