Eisdielen: Der große Aus-eigener-Herstellung-Schwindel

Bin in diesen Wochen wieder auf meiner alljährlichen Tour durch die Eisdielen des Ruhrgebiets unterwegs. Ein Trend, der sich schon im letzten Jahr abzeichnete, scheint in diesem Jahr seine Fortsetzung zu finden: Das Eis schmeckt immer fetter. Fast so, als würde es mit Mascarpone aufgemotzt. Mit Milchspeiseeis hat das meiner Ansicht nach jedenfalls nur noch wenig zu tun.
Überhaupt gehen scheinbar immer mehr Eisdielen dazu über, Basismassen für ihre Eiszubereitungen einzukaufen und zu verarbeiten, die so leckere Namen tragen wie Tripronto 100, eine Bezeichnung, die auch als Produktname für Hustensaft funktionieren würde. Weil das aus Basismassen hergestellte Zeug vom Eisdieler immerhin noch selbst abgerührt und – vielleicht sogar mit künstlichen Aromen – abgeschmeckt wird, können es Betreiber aber als Eis “aus eigener Herstellung” anpreisen. Dafür werden dann 70 Cent und mehr für eine Kugel fällig. Die geradezu aberwitzige Preisentwicklung der letzten Jahre – bei gleichzeitiger Qualitätsminderung – ist vor diesem Zusammenhang betrachtet kaum noch hinnehmbar. Da kauft man besser gleich industriell hergestelltes Eis der großen Marken, die kosten nur einen Bruchteil der Eisdielenkugeln und zeigt so den Eisdielern die Lange Nese, ähm, Nase. Oder, und dafür plädiere ich besonders, man stellt das Eis gleich selbst her. Weil mir partout niemand einen Pacojet schenken will, nutze ich neuerdings die erschwingliche Krups Venise. Wie gut die Maschine ist, werde ich in den nächsten Monaten sicherlich herausfinden.