Elsass (I): Die Revolution frisst schwarze Würstchen

Kurzurlaub beendet, und natürlich werde ich in den nächsten Tagen einige meiner Eindrücke aus der Zeit im Elsass zum Besten geben. Nahzu geschockt war ich vom Nationalfeiertag der Franzosen am 14. Juli, abgehalten in einem kleinen Ort, nahe der nördlichen Vogesen. Ungefähr 500 Leute hatten sich auf dem Marktplatz versammelt. Sie saßen an langen Klapptischen und aßen die schwärzesten Grillwürstchen, die ich je gesehen habe. Die an geplante Körperverletzung grenzenden Würste wurden parallel an zwei Ständen produziert und geradezu mutwillig so lange auf dem Grill liegen lassen, bis auch das letzte Fleckchen Oberfläche zu Kohle degeneriert war. Von wegen die Franzosen haben Geschmack – klaglos schoben sie diese schwarzen Dinger in sich hinein.
Dazu passte das Musikprogramm. Die Band auf der Bühne spielte und besang in leicht akzentuiertem Deutsch die Schöne Maid von Tony Marschall, während von der anderen Seite des Platzes harte Technobeats dem Schlagergedudel Einhalt zu gebieten suchten. Immerhin schüttelten ein paar alte Leute verständnislos den Kopf, während alle anderen das Geschehen offenbar völlig normal fanden.
Wenigstens hatte man einige Getränkepreise im Vergleich zu den Public Viewings zur Fußballeuropameisterschaft gesenkt, wie den Listen auf den Tischen zu entnehmen war. Es blieb das einzige politische Statement an diesem Abend.