Hinterhältige Kaktusfeigen

Heute früh, 7 Uhr, bei meinem türkischen Lebensmittelhändler: Noch im Halbschlaf packe ich einen großen Korb mit Früchten für die Weihnachtstage zusammen. Lychees, Orangen, Boskopäpfel, Ananas und Kaktusfeigen. Gewohnheitsmäßig prüfe ich die Festigkeit der meisten Früchte, in diesem Fall auch der Kaktusfeigen. Ich umschließe die erste mit meiner linken Hand und drücke leicht zu. Schwer zu sagen, ob sie noch zu fest oder gerade richtig ist. So oft kaufe ich die Dinger ja nicht. Also die nächste geprüft und die übernächste. Es sollten sich ja irgendwie Unterschiede feststellen lassen. In diesem Moment sieht der Chef des Ladens, was ich da gerade veranstalte und ruft: “Ich würde da nicht so lange draufdrücken. Sonst juckt und piekst es gleich in deiner Hand.” Er hatte es noch nicht ganz ausgesprochen, da fing meine Hand tatsächlich heftig an zu jucken und zu pieksen. Verdammt. Der Zustand hielt fast eine halbe Stunde an. Feige Biester, diese Feigen. Statt gerade heraus direkt zu stechen, lassen sie einen erst lange und ordentlich zupacken, um dann den Angreifer nachhaltig zu peinigen. Ich habe trotzdem welche gekauft, schon allein, um den Bösewichtern eins auszuwischen. Wartet nur – morgen oder übermorgen komme ich mit dem Messer.