Scharfrichter der Currywurst

Vor wenigen Tagen hat der Kollege Werner Theurich auf Spiegel Online einen lesenswerten Beitrag über die Currywurst veröffentlicht, und mir schien, damit sei im Grunde alles gesagt. Streicheln Sie die Currywurst statt sie mit Schärfe zu ermorden fordert er seine Leser auf. Wie groß das von Theurich ausgemachte Problem ist, wurde mir vorgestern wieder bewusst, als mir ein Freund aus meiner Laufgruppe (danke Chris!) einen Link zu einer Seite schickte, deren Betreiber in Herne einen Imbiss führen. Sie werben mit dem Slogan Die schärfste Currywurst der Welt für ihr, vermutlich, verkaufsträchtigstes Produkt. Nun gibt es mit Chili Willi ja auch in Bochum einen Imbiss, von dem es heißt, dort würde die schärfste Currywurst der Welt gemacht (womit meistens die Sauce und nicht die Wurst gemeint ist). Ein direkter Konkurrent also zu den Herner Würstchen für Feuerschlucker. Habe dann mal ein wenig gegoogelt und festgestellt, dass allein in Deutschland jede Menge Imbisse am Start sind, von denen es heißt, es gäbe dort die schärfste Currywurst der Welt. Berlin, Frankfurt, Remscheid, Herne, Bochum – sie wird scheinbar überall angeboten.
Nun lasse ich mich durchaus gerne mal zu dem ein oder anderen kleinen Irrsinn hinreißen, aber einen Vergleichstest in Sachen Schärfe muss ich wirklich nicht machen. Ich bin weder ein Idiot, noch meinen Schleimhäuten in Mund, Magen und Darm böse. Mit Geschmack haben diese Schärfenummern jedenfalls nichts zu tun.
Manche Menschen machen am Schärfegrad allerdings Geschmacksqualität fest. Aber das ist ungefähr so, als würde man die Qualität eines Fußballspiels an der Zahl abgegebener Scharfschüsse aus der 2. Reihe messen. Oh weh, Mannschaften würden dann nur noch aus Naldos, Hitzelspergers und Ballacks bestehen. Ganz schön langweilig. Fußballfeinkost wäre da nicht zu erwarten.