Wie ungesund darf Krankenhausessen sein?

Natürlich gar nicht, sollten vernünftige Menschen meinen. Aber die Wahrheit ist anders. Grauenhaft. Und nur zwei Tage Klinikaufenthalt haben mir jede Illusion genommen, dass sich daran in den nächsten Jahren umfassend etwas zum Besseren wenden könnte.
Krankenhäuser scheinen auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet, nicht auf das Wohlbefinden der Patienten. Dabei könnte es so einfach sein, noch profitabler zu arbeiten und gleichwohl den Service für die Patienten zu verbessern. Und sogar gutes Essen finanzierbar zu machen. Allein die unkoordinierten Untersuchungsabläufe machen deutlich, wie kaputtreguliert das System Krankenhaus ist. Dazu kommen katastrophale Informationsgestaltung, arrogantes Auftreten vieler Ärzte, die es oft nicht mal für nötig halten, sich vorzustellen (wenn man sie auf der Station überhaupt mal zu Gesicht bekommt), endlose, nicht nachvollziehbare Wartezeiten. Das erfolgreiche Krankenhaus der Zukunft muss diese Dinge in den Griff bekommen. Sonst werden ihnen irgendwann die Patienten abhanden kommen.
Warum machen in Krankenhäusern zum  Beispiel fast immer die Ärzte venöse Blutentnahmen, obwohl dazu auch fast jede zweite examinierte Krankenschwester in der Lage ist? Bei niedergelassenen Ärzten sind es doch auch meistens die Arzthelferinnen die Blutentnahmen vornehmen. Wie viel Zeit und Geld könnte allein diese Veränderung sparen, die in besserer Verpflegung sicher gut angelegt wäre? Ganz zu Schweigen von der Optimierung von Untersuchungsabläufen. Nach Außen hin wirken die oft hochgradig chaotisch.
Ja, und dann lese ich im aufwendig produzierten Hausprospekt des Hospitals, dass der Küchenchef schon mal auf einer großen Veranstaltung in einer Brigade mit Kolja Kleeberg gekocht hat. Und bekomme eine Bratwurst aufgetischt, die auf der einen Seite fast verbrannt, auf der anderen noch kalkweiß ist. Dazu trockenen Blumenkohl und fade Kartoffeln. Wer soll mit so einer Verpflegung bloß gesund werden? Aber dann wirken die Herren Ärzte noch persönlich beleidigt, wenn man unter derart unkomfortablen Umständen schneller als von ihnen empfohlen wieder den Abflug nach Hause macht.
Wirklich gute Erfahrungen habe ich nur mit dem Pflegepersonal gemacht, das aus ihren eingeschränkten Möglichkeiten alles herauszuholen sucht. Und mir vor allem eins vermittelte, nämlich, dass ich ein Mensch bin und kein lädiertes Oberes Sprunggelenk.