Don’t call it Schinken (2)

Die Meldungen über irreführende Lebensmittelkennzeichnungen reißen nicht ab. Aus Verbraucherschutzgründen erscheint es naheliegend, die Diskussion um Analogkäse, Gel-Schinken und Lügengarnele (Surimi) auf der Kennzeichnungsebene zu führen. Motto: Der Verbraucher muss wissen, was er isst. So weit, so richtig.
Der Stuttgarter Spitzenkoch Vincent Klink weist in einem Interview allerdings sehr zurecht darauf hin, dass jeder, der sich nur ein bisschen mit unserem Essen beschäftigt, weiß, was und wo er kaufen muss. Doch viele Verbraucher ignorieren das Problem und reden sich die Sache schön. Jetzt werden sie wachgerüttelt. Solche Meldungen helfen, den einen oder anderen zu uns rüberzuretten. Wer zum Beispiel Gemüse und Eier direkt beim Bauern vor Ort oder auf dem Wochenmarkt kauft und das Fleisch beim Ökometzger, geht definitiv einigen Problemen aus dem Weg. Natürlich müssen dafür erst mal ein paar Euronen mehr locker gemacht werden als für Discounterware, keine Frage. Aber meines Eindrucks nach, kaufen genau die Leute, die derartige Preisunterschiede anprangern, lieber die teureren Chips von Funny frisch als die No-Name-Produkte. Gleiches bei Speiseeis. Das echte Magnum schmeckt schließlich viel besser als das billigere Imitat. Aber Gemüse auf dem Markt kaufen? Viel zu teuer. Ich brauche nur in die Einkaufskörbe vieler Discounterkunden zu schauen, um die Einsparpotentiale für den Kauf von Frischeprodukten bei vertrauenswürdigen Händlern zu erkennen.
In einem Interview mit Spiegel Online, die das Thema Irreführende Lebensmittelkennzeichnung lobenswerter Weise derzeit verstärkt beackern, muss sogar Manfred Horst vom Bundesverband der Lebensmittelindustrie eingestehen, dass es einige Fälle gibt, die an Betrug grenzen. Gleichwohl sieht er keine systematische Verbrauchertäuschung.
Wie der kompottsurfer allerdings erfahren konnte, werden schon bei der Entwicklung und Modifikation industriell gefertigter Lebensmittel die beauftragten Institute dazu gedrängt, kostengünstige Zutatenalternativen zu finden, die dem Verbraucher noch dazu als Mehrwert verkauft werden können. Wenn das keine systematische Verbrauchertäuschung ist, was dann?