Die große Gastkoch-Täuschung

Da wollte ich gerade eine Story über Grant Achatz planen, ihn in Salzburg interviewen, wo er im November als Gastkoch im Ikarus (Hangar 7) präsentiert wird, und dann muss ich erfahren, dass der Mann nur an den ersten beiden Tagen des Monats vor Ort war. Das sei im Ikarus üblich, heißt es aus der Pressestelle, schließlich habe Achatz ja noch ein eigenes Restaurant in Chicago.
Nun wissen Eingeweihte, dass es auch bei anderen Gastpielen von Starköchen oft eine ähnliche Vorgehensweise gibt. Höchste Zeit also für einen mahnenden Zeigefinger. Denn Unbedarfte dürften sich vehement verschaukelt fühlen, wenn Ihnen nicht sauber vermittelt wird, dass der Gastkoch gar nicht kocht. Korrekt agierende Gastronomen kündigen den Gastkoch deshalb nur für die zwei Tage seiner tatsächlichen Anwesenheit an und kommunizieren ihren Gästen dann, dass das Menü noch eine bestimmte Zeit auf der Karte bleibt, also ohne den Meister höchstpersönlich am Herd. Bei Ikarus empfand ich diese Kommunikation unglücklich, zumal auch auf der Internetseite der Eindruck entstehen kann, Grant Achatz sei den ganzen Monat November persönlich vor Ort.