Experiment “Lampe an”: Welche Beleuchtung den Riesling besser schmecken lässt

Schmeckt je nach Beleuchtung anders: Riesling.

Mich erstaunt immer wieder, was Wissenschaftler so alles untersuchen. So gingen Heiko Hecht und Daniel Oberfeld vom Psychologischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz gemeinsam mit ihrem Kollegen Florian Wickelmaier vom Psychologischen Institut der Universität Tübingen der Frage nach, inwieweit die Raumbeleuchtung Einfluss auf die Wahrnehmung von Aromen hat. Zu diesem Zweck kooperierten sie mit dem Weingut Fritz Allendorf in Oestrich-Winkel, wo eine Probandengruppe, bestehend aus Kunden des Hauses, vor Ort Riesling unter wechselnden Farb- und Lichtsituationen im Raum verkosteten. Eine Kontrollgruppe testete die Weine im Labor. Ergebnis: Die Raumfarbe – beeinflusst durch Lichtinstallation – verändert die subjektive Wahrnehmung der Aromen im Wein. Blau und Rot ließen den Riesling geschmacklich besser wirken als Grün und Weiß. Die Probanden haben den Wein als wertiger wahrgenommen. Zudem betone Rot Fruchtigkeit und Süße. Wodurch sich mir wiederum Schlussfolgerungen in Bezug auf Qualität und Geschmackstyp aufdrängen. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Untersuchung ist dokumentiert in der aktuellen Ausgabe des Journal of Sensory Studies. Im neusten Technology Review (1/2010) wird das Thema ebenfalls beleuchtet.
Mich bringt das gedanklich zu Linda Buck und Richard Axel, die im Jahre 2004 für ihre Entdeckungen im Bereich des menschlichen Geruchssinns den Nobelpreis für Medizin erhalten haben. Die Identifikation von Aromen ist ein hochkomplexer Vorgang in unserem Geruchssinn, der dazu Signale unterschiedlicher Rezeptoren miteinander verschalten muss. Millionenfach in der Nasenschleimhaut befindliche Rezeptoren suchen sich sozusagen die zu ihnen passenden flüchtigen Aromastoffe. Je größer die Passgenauigkeit, umso stärker das Signal, umso intensiver der subjektive Eindruck.
Richtig spannend wird es aber erst, wenn es gelingt, die Verschaltungen mit jenen Arealen des Gehirns individuell dechiffrieren zu können, die für die Entstehung von Emotionen zuständig sind. Zumal das so genannte Riechhirn mit dem für akustische und optische Eindrücke zuständigen Mittelhirn verschaltet ist. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir durchaus einleuchtend, dass sowohl optische wie akustische Reize die olfaktorische Wahrnehmung beeinflussen und uns ein in seiner chemischen Zusammensetzung objektiv gleicher Wein in unterschiedlichen Raumsituationen anders schmeckt. Natürlich vor dem Hintergrund, dass andere Einflussfaktoren (wie veränderte Raumluft) ausgeschaltet bleiben und keine Beeinträchtigung des Testergebnisses darstellen.