TV-Köche unter Druck: Werbung für zweifelhafte Produkte

Zwischen Sein und Schein, pardon Scheinen, liegt manchmal nur ein Stück signiertes Papier, auch Vertrag genannt. Darin verpflichtet sich ein prominenter Koch, für Produkt XY gegen Zahlung einiger Euro-Scheine Werbung zu machen. Als so genannte Testimonials, wie es im Werbersprech heißt, preisen Köche wie Schuhbeck, Lichter, Baudrexel und Co. Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie an. Dem haftet aus Sicht des Kompottsurfers zunächst nichts Verwerfliches, sondern höchstens ein unangenehmer Beigeschmack an (wie an dieser Stelle kürzlich berichtet und teils bitterböse kommentiert).
Heikel wird es aber, wenn die unterstützten Produkte nicht mehr problemlos mit der in ihren Shows öffentlich eingenommenen Grundhaltung der Fernsehköche in Einklang zu bringen sind. Wie im Fall Alfons Schuhbeck, der die so genannte Escoffier Duett Creme Champignonsuppe anpreist, die der Hersteller recht unglücklich als 2-Komponenten-Suppe beschreibt, womit er den Gedankensprung zum Zweikomponentenkleber als nicht gekennzeichneten, ideellen Zusatzstoff gleich mitliefert. Als Suppenpatron handelte sich Schuhbeck gar eine höchst unerfreuliche Nominierung für den Goldenen Windbeutel ein. Der Kompottsurfer berichtete im letzten Sommer auch mal über eine von Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann gepriesene Suppe, die ebenfalls das Zeug für eine Nominierung gehabt hätte (hier und hier).
Neben Schuhbeck, Baudrexel (Rama Cremefine) und Horst Lichter (Maggi Gewürzmischung) ist auch der von mir geschätzte Sternekoch Alexander Herrmann in den Fokus der Kritik geraten, und zwar, weil er – als bekannter Verfechter von höchstselbst und vollkommen natürlich hergestelltem Gemüsebrühpulver – für Knorr Bouillon Pur wirbt, die es auch als Rinderbrühe gibt. Genau diese Rinderbrühe sei aber problematisch, weil sie Hefeextrakt, Xanthan und Johannisbrotkernmehl enthalte, behaupten die Kritiker von foodwatch. Da ich bekannter Maßen kein Problem mit Hefeextrakt, Xanthan und Johannisbrotkernmehl habe, kann ich die Empörung in diesem Fall allerdings nicht nachvollziehen.