Weinangebot in der Gastronomie zu teuer und einfallslos?

Bloggerkollege Marion Scheuermann wirft diese Frage in seinem drinktank auf und bezieht sich dabei auf Veröffentlichungen von Der Feinschmecker und Zeit Online. Der Feinschmecker beklage Aufschläge von 300 Prozent für einfachen Gutswein, die Zeit monotone Gestaltungen von Weinkarten. Der drinktank kritisiert diese Einschätzungen, und ich kann da nur beipflichten.
Das Thema Kalkulation von Wein in der Gastronomie war ja schon immer brisant. Ich habe mich damit schon Anfang der 1990er Jahre in eine heikle Diskussion begeben, als ich Aufschläge von bis zu 400% für eine Flasche im Vergleich zum Abverkauf ab Weingut beklagte. Heute sehe ich das nicht mehr ganz so eng. Die so genannte Mischkalkulation der Gastronomen entbehrt nun mal nicht jeglicher Plausibilität. Und dass die großen Weine die kleinen bezahlen ist auch nicht wirklich etwas Neues. Ich kann mich an Besuche in Restaurants wie dem Schwarzen Adler oder Auberge de l’Ill erinnern, wo ich Perlen wie Romanée Conti oder Mouton-Rothschild aus reifen Jahrgängen für Preise weit unterhalb der seinerzeit üblichen Handelspreise angeboten bekam. Ich weiß von Weinfreunden, die regelmäßig in Gruppen in Kellers Schwarzen Adler einfallen, um dort günstig große, reife Weine trinken zu können. Und ich habe im Laufe der letzten zwanzig Jahre viele Restaurants kennengelernt, die sehr wohl eigenständige und reizvolle Weinkarten zustande brachten. Und das nicht nur in der Sternekategorie.

Ein Gedanke zu „Weinangebot in der Gastronomie zu teuer und einfallslos?“

  1. Ich als Besitzer eines kleinen privat geführten Weinlokals kann dazu nur sagen, dass die Weinpreise der Konkurrenz tatsächlich teilweise sehr überteuert sind. Was den Kunden allerdings oft gar nicht auffällt… da die überzogenen Preise gut kaschiert werden – zumeist mit geringeren Ausschankmengen. In den meisten Lokalen werden nur noch 0,1 Gläser angeboten. Die sind dann auf den ersten Blick recht preiswert – aber auch nur noch halb so groß wie früher. Ich persönlich halte von solchen Praktiken nichts und biete weiterhin 0,2 Weine an.

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