EHEC und seine gefährlichen Verwandten

Während die Diskussion um Herkunft, Serotyp und Behandlungsmethoden in Sachen EHEC weitergeht, sickert beim Bundeministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz immerhin endlich die Erkenntnis durch, dass möglicherweise gar kein Agrarprodukt für die Verbreitung des Bakteriums verantwortlich ist. Schon zu Beginn der Erkrankungswelle hatte der kompottsurfer davor gewarnt, den Fokus zu sehr auf bestimmte Produktarten sowie bestimmte Regionen zu richten, weil die großen Umschlagplätze von Lebensmitteln und die verzweigten Verteilungswege zu viele Optionen für eine mögliche Verunreinigung offen lassen. Die Spanier sind aus Sicht des kompottsurfers nicht ganz zu Unrecht verärgert darüber, dass die Deutschen Behörden ihre Gurken in Verruf gebracht haben und die Ursache für EHEC zu einem spanischen Problem machen wollten.
Unabhängig von der jetzt in Umlauf befindlichen, gefährlichen Kreuzungsvariante des E.coli-Bakteriums sollte sich der Konsument ins Gedächtnis rufen, dass ständig Bakterien auf Lebensmitteln unterwegs sind, die unsere Gesundheit gefährden können. Weshalb entsprechende Hygiene nicht nur ein Gebot der Stunde ist, sondern generell mehr Beachtung finden sollte. Nicht nur in der Gemeinschaftsverpflegung sowie in der Gastronomie sondern auch im privaten Haushalt. Folgende bakterielle Toxine bereiten immer wieder Probleme*:
1. Bacillus Cereus Kann Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe und Leibschmerzen verursachen. Wird zumeist über warmgehaltene, getreidehaltige Gerichte in der Gemeinschaftsverpflegung verbreitet. Inkubationszeit: 1-12 Stunden. Die Dauer der Erkrankung beträgt maximal einen Tag.
2. Staphylococcus Aureus Kann Erbrechen, Diarrhoe und Leibschmerzen verursachen. Bakterien treten in Wurst- und Käseaufschnitt sowie in schwach sauren Salaten, Mayonnaise und Cremefüllungen von Backwaren auf. Inkubationszeit 2-6 Stunden. Dauer der Erkrankung 1-3 Tage.
3. Clostridium Botulinum Lähmt die Nervenzentren des verlängerten Rückenmarks. Inkubationszeit: 1-3 Tage. Kann in den ersten 8 Tagen tödlich enden. Bei Überleben ist mit einer Erkrankungsdauer von 6-8 Monaten zu rechnen.
4. Clostridium Perfringens Symptome sind Bauchkrämpfe, Diarrhoe, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Tritt zumeist im Zusammenhang mit Gemeinschaftsverpflegung in lange warmgehaltenen Fleischgerichten sowie lange warm gehaltene Desserts sowie in Cremefüllungen von Backwaren auf. Inkubationszeit: 8-24 Stunden, Erkrankungsdauer: bis zu einem Tag.
* Quelle: Lehrbuch der Lebensmittelchemie vom Belitz, Grosch, Schieberle / Springer Verlag