Katstrophales Krisenmanagement: EHEC-Erkrankungen durch Infizierung in Lübecker Restaurant wochenlang nicht aufgefallen

Die Gefahr lauerte in einem Lübecker Restaurant. Wie heute durch einen Bericht der Lübecker Nachrichten bekannt wurde, infizierten sich 17 Personen in besagtem Lokal mit dem EHEC-Erreger. Eine Frau starb an den Folgen des durch EHEC ausgelösten HU-Syndroms. Die betroffenen Personen hatten allerdings nicht erst vor wenigen Tagen das Lübecker Lokal besucht, nein, sie waren dort bereits zwischen dem 12. und 14. Mai zu Gast gewesen.
Bei einer durchschnittlichen Inkubationszeit von drei bis vier Tagen drängt sich die Frage auf, warum diese extreme Häufung nicht früher aufgefallen ist. Während eine harmlose Durchfallerkrankung bei einer handvoll Gäste eines Spitzenrestaurants in England die Presse in halb Europa zu Spekulationen über eine angebliche Gefährlichkeit molekular inspirierter Küche veranlasste (der kompottsurfer berichtete), wird in Zeiten einer handfesten Epidemie so ein auffälliger Vorfall wie der in Lübeck übersehen. Wie viele Tomaten müssen Krisenmanager auf den Augen haben, um so eine Häufung nicht zu entdecken? Die Chance, mit einer derart guten Spur schon viel früher den Ausgangspunkt des Erregers entdecken zu können, wurde jedenfalls vertan. Trotzdem gibt es jetzt Anlaß zur Hoffnung, über die Lieferkanäle neue Spuren generieren zu können. Da darf man nur hoffen, dass die Betreiber ihre Ware nicht über heimliche Hinterhoflieferungen bezogen haben.
Ganz offensichtlich funktionieren die Mechanismen nicht, beziehungsweise es gibt keine entsprechenden Notfallpläne, die umgehend greifen, sobald eine Häufung von Infektionen auftritt. Das wird vor allem schon daran deutlich, dass das Robert-Koch-Institut, wie es scheint, erst am 30. Mai einen Aufruf zur (freiwilligen) Teilnahme an einem Meldesystem startete, mit dem Informationen über Fälle von blutigen Durchfallerkrankungen in Notaufnahmen von Krankenhäusern an das RKI weitergeleitet werden sollen. Das sieht der kompottsurfer jedoch nicht hauptsächlich als Problem des RKI an, sondern als Beleg einer grundsätzlichen politischen und behördlichen Unorganisiertheit in derartigen Gesundheitsfragen.