Was lehrt uns der Ausbruch der EHEC-Epidemie? Braucht Deutschland ein Superseuchenamt? Kann ein Gemüse SCHULD tragen?

Informationen, Spekulationen, Schuldzuweisungen, Warnungen – die EHEC-Krise hat gezeigt, wie schnell und offensichtlich Ernährungsgesundheit und Wirtschaftsinteressen auf Kollisionskurs geraten können. Nicht nur die Behörden, auch die Medien konnten in diesem Kreuzfeuer zwischen den Interessengruppen offensichtlich keine klare Orientierung finden. Seit Ausbruch der Seuche hat der kompottsurfer die Entwicklungen intensiv beobachtet und kommentiert. Und ein paar grundsätzliche Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst:
1. Den Menschen in Deutschland ist die Hygienesensibilität in den letzten Jahrzehnten zunehmend abhanden gekommen. Die Verbreitung von Bakterien, allen voran die bislang unbekannten und daher schwer behandelbaren, kann durch Hand- und Küchenhygiene, deutlich eingegrenzt werden.
2. Gesundheit ist wichtiger als Wirtschaftsinteressen. Immer. In der medialen Berichterstattung erhielt – aus Sicht des kompottsurfers – der Aspekt der wirtschaftlichen Schäden, die durch behördliche Empfehlungen auf Konsumverzicht bestimmter Produkte entstanden sind, zu viel Raum. So fragwürdig sich bestimmte Entscheidungen auf Konsumverzicht am Ende auch erweisen mögen – wenn es um elementare Gesundheitsfragen, in diesem Fall sogar um eine Epidemie geht, gehören solche Diskussionen aufs Nebengleis. Sie können nach der erfolgreichen Bekämpfung der Seuche immer noch ausgiebig ausgetragen werden.
3. Schuldzuweisungen gehören nicht in die akute Phase einer Seuchenbekämpfung. Das sollten auch die Landes- und Bundesministerien begreifen. Wenn tatsächlich spanische Gurken Träger der gefährlichen Bakterien gewesen wären, hätte das nicht bedeuten dürfen, dass die Spanier Schuld am Ausbruch sind. Genauso wenig wie jetzt im Ausland die Deutschen Schuld sein sollten. Oder einzelne Gastronomen. Die Schuldfrage gipfelte sogar in der Zuordnung des prinzipiell ethisch geprägten Begriffs von Schuld in Bezug auf einzelne Gemüsesorten. Angesehene Medien wie die Welt, der stern , das ZDF, das Hamburger Abendblatt und einige mehr erklärten Gemüse für schuldig beziehungsweise unschuldig. Auch ein Indiz dafür, wie sehr wir in Deutschland von der fortwährenden Suche nach Schuldigen dominiert sind.
4. Das Krisenmanagement erwies sich als erheblich verbesserungswürdig. Die Forderung nach einem Superseuchenamt (wie es auf Spiegel Online formuliert wurde), einer Art Bundesgesundheitsamt (BGA) hält der kompottsurfer jedoch für wenig durchdacht. Das BGA wurde 1994 aufgrund des Skandals um HIV-verseuchte Blutpräparate aufgelöst und in drei einzelnen Instituten neu gegliedert: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Robert-Koch-Istitut (RKI), Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV). Andere Aufgabenbereiche des BGA wurden auf bestehende Ministerien verteilt. Ob die Gliederung im Einzelnen ideal war, darüber kann und will sich der kompottsurfer kein Urteil erlauben, aber dass es keinen großen trägen Behördentanker braucht, um Seuchenprobleme schnell zu lösen, sondern ein gut durchstrukturiertes Erfassungs-, Melde-, Maßnahmen- und Kommunikationssystem, das hat die Vergangenheit klar gezeigt. Schnelles und gezieltes, ja im Grunde sogar eingeübtes Handeln wie es für andere Katastrophenszenarien vorgesehen ist, ist nötig.
5. Die Gefährdung der Lebensmittelqualität ist Ergebnis des immens hohen Preisdrucks am Markt.  In kaum einem anderen Industrieland weltweit sind die Menschen so preisorientiert in Sachen Lebensmittel wie in Deutschland. Es ist also vor allem ein hausgemachtes Problem, wenn – in welcher Art auch immer – belastete Lebensmittel in den Handel der Verbraucher gelangen. Viele Menschen wollen möglichst billig essen, aber dass auf der anderen Seite dieser Medaille Nachteile zu Buche schlagen, Einsparungen bei Kontrolle, Lagerung, Transport und Behandlung, die das Lebensmittel qualitativ beeinträchtigen und verunreinigen können, das will man nicht sehen. Und zum Thema ethische Aspekte in Bezug auf die Bauern in so genannten Drittweltländern bräuchte es noch mal eine gesonderte Auseinandersetzung.
6. Verstärkt regionale Produkte konsumieren. Das Lebensmittelhandelskarussel dreht sich schnell und über den gesamten Globus. Ursachen für Verseuchung sind, wie es die aktuelle Situation zeigt, umso schwerer zu finden, je schwieriger die Handels- und Verbreitungswege nachzuvollziehen sind. Darüber hinaus wird die Ausbreitung einer bakteriellen Verseuchung von Lebensmitteln, unter Einbeziehung der bereits genannten Punkte, weiter eingedämmt.