Der Irrsinn mit dem Beifang: Warum der Kabeljau tatsächlich überfischt ist

Warum ist der Kabeljau eigentlich überfischt, habe ich mich bei meinem letzten Marktbesuch gefragt, als ich die Fischtheken der Händlern nach ihrem Angebot durchsah. Wird wirklich so viel davon gegessen oder industriell verwertet, dass die Bestände allein deshalb schon gefährdet sind? Oder gibt es noch andere Gründe?
Als ich mich dann zuhause mit den Fakten auseinandersetzte, war ich doch überrascht, dass ungewollter Beifang und Rückwürfe als eines der Hauptprobleme für die Überfischung angesehen werden müssen. Bei der Jagd nach begehrten Plattfischen geht nämlich auch tonnenweise Kabeljau als Beifang ins Netz, der dann zumeist tot wieder ins Meer geworfen wird.
Laut Greenpeace kommt allein auf ein Kilogramm gefangene Scholle eine ebenso große Menge Kabeljau. Schollen wiederum sind oft ungewollter Beifang bei der Garnelenfischerei und werden ebenfalls tonnenweise wieder zurück ins Meer geworfen. Auf ein Kilogramm Garnelen kommen etwa 20 Kilogramm anderer Fische und Meerestiere, die sterben müssen, und zwar ohne als Nahrungsmittel verwertet werden zu können, rechnet die Umweltschutzorganisation vor. Das alles passiert nicht nur, weil es für die Industriefischerei rentabler ist, sondern auch, weil es das EU-Recht so vorschreibt. Grund ist die Einhaltung der Fangquoten.
Nun machen Fangquoten ja durchaus Sinn. Wenn das aber dazu führt, dass essbare Fische wieder tot ins Meer geworfen werden müssen, dann läuft da irgendwas gewaltig schief. Das System ist geradezu pervers, und es wird Zeit, dass wirkungsvolle Maßnahmen eingeleitet und nicht nur Lippenbekenntnisse verkündet werden. Beifang muss schon an Bord streng protokolliert werden und darf nicht mehr als Rückwurf ins Meer verklappt werden. An Land müsste der Beifang abgewogen und auf die Fangquote angerechnet werden, damit der Beifang endlich wirkungsvoll eingedämmt werden kann.
Kabeljau ist übrigens, nach dem Heilbutt, der Fisch mit dem höchsten eßbaren Anteil am Gesamtgewicht. Er beträgt 75 %. Ein Barsch dagegen verfügt lediglich über 38% eßbaren Anteil.