TorTour de Ruhr und die Frage: Warum haben wir bei Hitze weniger Hunger?

Alle zwei Jahre an Pfingstsamstag stehen rund 80 Ultraläufer an der Ruhrquelle in Winterberg, um Deutschlands längsten Nonstoplauf (also ohne vorgegebene Schlafpausen), die TorTour de Ruhr unter ihre Füße zu nehmen. Von der Quelle bis zur Mündung, zumeist entlang des Flussufers, laufen sie die kompletten 230 Kilometer, die ihnen der Ruhrtalradweg vorgibt.
Schon bei den letzten beiden Austragungen war das Wetter heiß gewesen, aber die Hitzewelle, die 2014 auf die Teilnehmer und ihre Crews zurollte, überstieg die Temperaturen der Vorjahre noch einmal deutlich.
Für Ausdauersportler, zumal wenn sie derart lange am Stück unterwegs sind, ist Nahrungsaufnahme der Schlüssel zu einem erfolgreichen Finish. Ihr Energiebedarf liegt irgendwo zwischen 10.000 und 20.000 kcal. Da muss also eine Menge rein in den Körper. Nur, was in diesem Jahr besonders auffiel, war, dass viele Läufer erhebliche Probleme damit hatten, feste und auch flüssige Nahrung zu sich zu nehmen. Einige der durchweg sehr erfahrenen Teilnehmer erlebten Magenprobleme in einem Ausmaß, das sie vorher kaum kannten und mussten sich häufig übergeben. Woran liegt das? Ist unser Körper vielleicht gar nicht für das Essen bei heißen Temperaturen geschaffen?
Tatsächlich nimmt unser aller Appetit vor allem dann ab, wenn wir uns unangepasst in heißer Umgebung befinden, besonders dann, wenn dazu die Luftfeuchtigkeit ungewohnt hoch ist. Da die Wochen und Monate vor Pfingsten nur moderate Wärme angesagt war, schlug der Appetitlosigkeitseffekt nun mit aller Wucht zu. Eine derart ungewohnte Hitze löst eine Stressreaktion des Körpers aus. Stress wirkt in der Regel appetithemmend, in Kombination mit extremer körperlicher Anstrengung entsteht auf diese Weise seine Art körpereigener Appetitzügler, dessen Sinne möglicherweise darin besteht, den Körper nicht überhitzen zu lassen, denn der Verdauungsprozess erzeugt zusätzliche Hitze. Wir schützen uns also durch den geringeren Appetit vor Überhitzung. Außerdem wäre es auch denkbar, dass sich der Magen langsamer entleert als üblich. Also knurrt er erst später als unter kühlen Bedingungen.
Eine Lösung des Problems könnte darin liegen, die Nahrungsaufnahme verstärkt für den späten Abend oder die Nacht einzuplanen, wenn es das Ziel ist, möglichst viele Kalorien aufuzunehmen. Wenn man aber nicht gerade Extremsportler ist und vielleicht sogar abnehmen muss, nimmt man die Hitze als willkommene Unterstützung zur Gewichtsreduktion und setzt Grillpartys schon am späten Nachmittag an, wo der Hunger noch eingedämmt ist.
Die schnellsten Läufer der Tortour de Ruhr hatten übrigens Gelegenheit, zu später Nacht- oder frühester Morgenstunde ein paar leckere Grillwürstchen zu vertilgen, die am Verpflegungspunkt an der Dahlhauser Schwimmbrücke serviert wurden. Aber nur die begleitenden Crewmitglieder machten von dem Service Gebrauch. Die Läufer beließen es zumeist bei Gemüsebrühe.