Warum Umräumarbeiten im Keller lohnenswert sein können? Weil man unter Umständen eine besondere Flasche Wein entdeckt.

Gerade waren ein paar Kräfte nach der überstandenen Grippe zurückgekehrt, als es mich in den Keller trieb, weniger zum Auf- oder Umräumen – soviel se
i der Ehrlichkeit halber gesagt – sondern um das Überleben nach diesem fiesen viralen Angriff mit einem guten Wein zu begießen. Dabei räumte ich ein paar Kisten von Rechts nach Links und von Oben nach Unten, war sofort völlig schlapp, aber siehe da, im Zuge der Räumarbeit stieß ich auf eine einsame Flasche 1992er Langenlonsheimer Königsschild Auslese vom Weingut Erbhof Tesch an der Nahe. Tesch? Tesch? Tesch? Ja, hatte ich den Sohnemann anno Tuck nicht mal auf einer Weinmesse auf Schloss Hugenpoet kennenglernt? Richtig, so war’s. Und dann seinen Riesling unplugged probiert. Mittlerweile haben Tesch Juniors Weine Kultstatus, der das Weingut 1997 von seinem Vater übernommen hat. Ich erinnerte mich, dass mir die Flasche vor gut und gerne 20 Jahren mal von einer weinkundigen Freundin geschenkt worden war (Danke Kathrin!) und sah augenblicklich den Moment gekommen, die Buddel zu öffnen, die noch einen guten Füllstand aufwies.

Also aufgezogen, eingegossen und mich über einen würdig gereiften Tropfen gefreut. In der Nase Aromen von getrockneter Aprikose, Rosinen und Honig, dabei aber noch durchaus frisch wirkend. Am Gaumen ätherische Noten und Karamell, der Nachklang anhaltend. Dabei haben mir meine angeschlagenen Geruchs- und Geschmackssinne sicher noch das Meiste vorenthalten. Egal, psychologisch waren damit auch die letzten nervenden Reste der Grippe verarbeitet.
Noch gut eine Woche bis zur Prowein in Düsseldorf. Ich werde auf jeden Fall mal bei Tesch vorbeischauen, wenn ich bis dahin wieder voll auf der Höhe bin.