Mein Steckenpferd zum Spargel: Feiner Rheingauer Riesling mit Restsüße

Folgt man den Bedenkenträgern unter Weinliebhabern und Gourmets, dann kommen nur wenige Weine für eine Vermählung mit Spargel in Frage. Wegen seiner feinen Bitterstoffe gilt das Saisongemüse als sperrig in Kombination mit Wein. Aber das allein ist nun wirklich kein Grund, auf Wein zum Spargel zu verzichten. Denn nur wer ihn in einer essigsauren Sauce oder entsprechend eingelegt serviert, landet ziemlich sicher in der Geschmacksfalle. Das bisschen Bitternote dagegen, bekommt so mancher ausdrucksstarke Tropfen harmonisch gekontert.
Unter den zum Spargel empfohlenen Weißweinen sucht man den Riesling allerdings oft vergeblich. Zuviel Säure, so heißt es, verderbe den Genuss. Tatsächlich entlockte mir ein trockener Riesling zum Spargel bisher auch nicht gerade Schreie der Begeisterung. Aber so leicht wollte ich mich nicht geschlagen geben, und deshalb wagte ich neulich die Kombination mit einem Rheingauer Riesling 2013 vom Weingut Prinz von Hessen. Der Wein ist nicht nur mit einer schönen Balance aus Säure und Restsüße gesegnet, sondern auch mit einem Namen, der haften bleibt: Steckenpferd. Sowohl die angenehme Süße, als auch die Noten von Grapefruit, Limette und Apfel bei einem Alkoholgehalt von 11 Vol.% trugen dazu bei, dass der Wein mit dem schlicht gebutterten Spargel erstaunlich gut harmonierte. Sage noch einer, Riesling mit Spargel ginge nicht.
Unter der Leitung von Dr. Clemens Kiefer und Heinrich Donatus Prinz von Hessen hat der Betrieb in den letzten Jahren immer mehr Beachtung gefunden. Eine Reihe internationaler Auszeichnungen für die Weine des Hauses zeugen davon. Beste Lagen sind Winkeler Hasensprung, Kiedricher Sandgrub, Johannisberger Klaus, Dachsberg und Jesuitengarten.
So irreführend die Lagenbezeichnungen Deutscher Weine für manchen Konsumenten auch sein mag, den unterhaltsamen Aspekt möchte ich keinesfalls missen. Und wie alle diese Lagen wohl zu ihren Namen gekommen sind? Brauneberger Juffer, Trittenheimer Apotheke, Monzinger Frühlingsplätzchen, Forster Ungeheuer, Gundersheimer Höllenbrand, Escherndorfer Lump – spätestens nach dem dritten Glas Wein machen Gespräche darüber aus jeder geselligen Runde eine besonders heitere.