Sind Lieferdienste für Essen börsenfähig? Einstige eBay-Vordenker meinen Ja. Der kompottsurfer hat Bedenken.

Oliver Samwer ist in der digitalen Geschäftswelt eine große Nummer. Gemeinsam mit seinen Brüdern Marc und Alexander gründete er 1999 Alando, ein Internet-Auktionshaus, das nur frühen Netznutzern noch ein Begriff ist. In sehr kurzer Zeit bauten sie mit ein paar Freunden Alando auf, um es nur wenige Monate später für einen schwindelrregenden Millionenbetrag an eBay in den USA zu verkaufen, die so ihren Einstieg in Deutschland vorbereiteten. Damit war den gewieften Twens ein geradezu unglaublicher Coup geglückt. Seither machen sie als Internetunternehmer Furore mit einer exzellenten Nase für kommende Trends. So verdienten sie mit Jamba wieder Millionen, weil sie früh erkannten, dass mit Klingeltönen für Handys viel Geld zu machen war.
Ein paar Geschäftsfelder weiter stehen nun aktuell Lieferdienste für Essen auf der Agenda der Brüder, die als Investoren mit ihrem Unternehmen Rocket Internet den Markt nach gewinnbringenden Beteiligungen scannen. Oliver Samwer hat zum Thema schon vor einigen Wochen verlauten lassen, dass er Lieferdienste für einen großen Wachstumsmarkt im Internet hält, wie unter anderem auch hier zu lesen ist. Aber ist das ein Grund zur Freude?
Alles andere als das. So viel Respekt der kompottsurfer den Brüdern für ihr geschäftliches Geschick auch entgegenbringt, so heikel ist der Lebensmittelmarkt als Gewinnmaschine. Die Liste der Lebensmittelskandale wird Jahr für Jahr länger, der kompottsurfer berichtet immer wieder darüber. Wer nun mit dem Vertrieb von genussfertigen Lebensmitteln ein Vermögen scheffeln will, muss zusehen, dass er Kosten dämpft, denn nicht zuletzt die deutschen Verbraucher sind sehr preisempfindlich, wenn es um Nahrungsmittel geht, was kein gutes Licht auf unser Konsumverhalten wirft, aber so ist es trotz aller Skandale immer noch. Wo lassen sich also für Unternehmen, die mit dem Liefern von Essen Geld verdienen wollen, viel Geld verdienen wollen, die Kosten senken? Klar, bei den Erzeugern. Und bei der verarbeitenden Industrie. Dann bei der Lagerung. Und schließlich beim Personal, das die Ware zubereiten und ausliefern soll.
Man muss kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass dieses Geschäftsfeld ausnahmsweise mal eine tickende Zeitbombe für die erfolgsverwöhnten Samwer-Brüder sein könnte, denn es drohen Lebensmittelskandale. Aber wahrscheinlich werden sie auch hier wieder zum richtigen Zeitpunkt ihre Anteile verkaufen.
Was unsere Ernährung angeht, ist die großunternehmerische Lieferandisierung des Essens ein falscher Weg, findet der kompottsurfer. Es macht vielleicht die Gewinnhungrigen satt, aber unser Essen sicher nicht besser.