Kulinarische Spezialitäten zur Fußball-EM in Frankreich (3): Domaine de Bisconte (Roussillon)

Von der Domaine de Bisconte stammte der erste Roussillon, den ich je trank. Ich bekam die Flasche – es dürfte der Jahrgang 1986 gewesen sein – von einem Freund geschenkt, zusammen mit einem Buch von Andrè Dominé Trunken vom Roussillon, erschienen 1987. Seinerzeit waren die Weine aus dem Roussillon hierzulande kaum bekannt, zumal die trockenen Vertreter aus der Region im Ruf standen, eher rustikal und alkoholreich zu sein. Aber das stimmte nur bedingt. Die Domaine de Bisconte bot jedenfalls schon damals ein überzeugendes Preis-Leistungsverhältnis, und ich erinnere mich an so manche schöne Grillparty, wo wir am Ende tatsächlich trunken vom Roussillon waren.
Anders als die legendären Weine von Banyuls und Rivesaltes, die kaum als Roussillonweine bekannt sind, sondern unter ihren örtlichen Appelationen firmieren, trug die Domaine de Bisconte mit ihren trockenen Weinen maßgeblich dazu bei, den Namen der Anbauregion in einer Zeit populär zu machen als frankophile Genießer angesichts der fulminant steigenden Preise bei Bordeaux aller Qualitätsstufen ein Herzrasen nach dem nächsten erlitten.
Nun sind trockene Weine aus dem Roussillon geschmacklich ganz andere Weine als die aus dem Bordeaux, völlig klar. Aber für den Verbraucher stellte sich die Frage damals so nicht. Er wollte Wein aus Frankreich, trocken und preislich attraktiv, und da passte es dann auch ganz gut, dass zunehmend junge Winzer aus dem Südwesten, aus Languedoc und Roussillon mehr Qualität in ihren Wein bringen wollten. So wurde den Weinen aus dem französischen Südwesten in Deutschland mehr Aufmerksamkeit zuteil.
Domaine de Bisconte ist so etwas wie der Referenzwein für die Region im Preissegment von 6 bis 8 Euro. Seit 2003 war der Wein auch immer wieder beim rewirpower-Weintest vertreten, und oftmals konnte er sich dort gegen starke internationale Konkurrenz behaupten. Die Domaine wird schon seit mehreren Generationen von der Familie Jonca in Saint-Genis des Fontaines bewirtschaftet. Auf den kargen Ton-, Kalk- und Steinböden der 43 Hektar umfassenden Anbaufläche herrschen ideale Bedingungen für die Kultivierung der klassischen südostfranzösischen Rebsorten Syrah, Grenache und Carignan. Man pflegt die im Roussillon üblichen, traditionellen Anbaumethoden und verfügt noch über viele alte Rebstöcke. Die Trauben werden von Hand gelesen und zwölf Monate im Eichenfass ausgebaut. Vermarktet wird der Wein über die Winzergenossenschaft in Alberes.
Erhältlich sind die Weine von der Domaine de Bisconte bei vielen Händlern im Ruhrgebiet, u.a. Der Franzose in Bochum, Weinhof Rüttenscheid in Essen und Die WeinVilla in Duisburg. Bis zum Halbfinale Frankreich gegen Deutschland bleibt noch ausreichend Zeit einzukaufen.