Italien gegen Italien – ein kurzer kulinarischer Vergleich

Das war sie also, meine Woche in Italien. Überwiegend laufend und wandernd verbracht in der weiten, unberührten Bergwelt rund um das Aoastatal, gelegentlich auch gemütlich sitzend in einfachen Lokalitäten. Unterwegs fragte ich mich immer wieder: Wo liegt der Unterschied zwischen italienischer Küche in Italien und der in Deutschland? Und zu welchen Gunsten fällt er aus.
Theoretisch schien mir die Antwort auf der Hand zu liegen, und mir fiel ein Vergleich aus dem Fußball ein: Beim Heimspiel ist die Heimmannschaft zumeist im Vorteil. Aber die ersten Lokalbesuche enttäuschten meine Erwartung. Das Risotto war eher mäßig, die Pizza nicht besser und die Pasta auch nicht. Allerdings gefielen mir ein paar Details. Das oft hochwertige Olivenöl zum wirklich frischen Salat, Foccacia zur Einstimmung, gut gemachter Espresso zum Abschluss.
Viel positiver fällt das Fazit allerdings aus, wenn ich die Verpflegung in den Berghütten und an den Basisstationen des alpinen Rennens einbeziehe, an dem ich über einige Tage teilnahm. Da kochte eine gut und gerne 80-jährige Großmama in Cogne eine Minestrone zum Niederknien, da bekam ich unweit des Col Maltara einen Bollito Misto serviert, der in meinem kulinarische Langzeitgedächtnis Platz findet und auch eine Polenta mit würzigen Schweinsbratwürsten (Salsicce) hatte ich in dieser Qualität noch nirgends gegessen. Leider hab’ ich den Ort vergessen, an dem ich sie serviert bekam. Dass die Norditaliener mit dem Fontina zudem einen Rohmilchkäse pflegen, der vor allem in gereifter Qualität mit seinem ausgeprägt erdig-nussigen Aroma begeistert, soll nur eine Randbemerkung sein.
Wenn es aber einen Sache gibt, die Italienische Gastronomie in Deutschland nicht einmal ansatzweise so gut hinbekommt wie in Italien selbst, dann ist es die Eiscreme. Meine Güte, da liegen Welten zwischen den in den allermeisten Fällen aus industriellen Basisprodukten hergestellten Eissorten und dem wirklich komplett in Eigenherstellung entstandenen Eis. Klar, muss man sich da mit geringerer Sortenvielfalt begnügen, aber dafür sind Geschmack und Textur um Längen besser. 

Nein, ich habe nicht zugelegt in diesen Tagen. Dafür war ich zu lange auf den Füßen. Aber einen Gewichtsverlust gibt’s auch nicht zu beklagen.