Wie viele Kalorien enthalten eigentlich 100 Gramm Schokoladenhai? Und wie gefährdet ist der Wolfsbarsch?

Schokoladenhai / Foto: asobi tsuchiy (CCA license)

Ich wundere mich immer wieder, welche Tierformen heutzutage in Schokolade gegossen werden. Früher, in meiner Kindheit, fand man im Süßwarenzoo vielleicht mal ein paar Hasen, Maikäfer und Enten. Das war’s. Heute kann man sogar Dinosaurier, Tiger und Krokodile aus Schokolade vertilgen. Wobei für letztere aus Fleisch und Blut auch die umgekehrte Essrichtung gilt, wie ich vor einer Weile bei den Kollegen von WELT online las: Wenn ein Nilkrokodil einmal menschliches Fleisch probiert hat, dann hat es keine Lust mehr, sich anzustrengen und Fische zu fangen. Sie mögen Menschenfleisch. Es ist für sie ein bisschen wie Schokolade, wird dort ein ein erfahrener Krokodilfänger zitiert.
Nun entdeckte ich neulich ein anderes gefährlich anmutendes Schokoladentier. Einen Hai. Gefährlich aber nicht wegen seiner Zuckerkalorien, sondern weil er wirklich zubeißen kann. Er fiel mir beim Durchsehen der gerade erschienenen, für 2017 aktualisierten TAC-Liste (Total Allowabel Catches) der EU-Kommission auf, in der die Fischfangquoten geregelt sind. Der Schokoladenhai ist übrigens verwandt – nein, heute ist nicht der 1. April – mit dem Zigarrenhai. Während der eine am liebsten Schokolade futtert, stößt der andere beim Schwimmen Dampfwolken aus. Okay, das war jetzt Quatsch. Der Schokoladenhai heißt natürlich wegen seiner Farbe so, und der Zigarrenhai verdankt seinen Namen seiner Form. Wobei, lustiger Weise, beide Fische im englischen Sprachraum auch als cookie cutter shark bezeichnet werden, weil sie runde Stücke aus ihren lebenden, gelegentlich deutlich größeren Beutetieren herausbeißen, was sehr charakteristische Narben hinterlässt, die aussehen wie ein O. O für Opfer sozusagen. Es gibt Berichte, wonach diese Haie sogar U-Boote angeknabbert haben sollen.
Nein, ich bin noch immer nicht durch mit meinen durchgebrannten Überlegungen und frage mich ernsthaft: Wie kalorienhaltig ist überhaupt so ein Schokoladenhai? Legt man gängige Werte für Haifleisch als Orientierung zugrunde, kommt man etwa auf 130 kcal pro 100 Gramm. Wäre diese Menge Haifleisch nun aber aus Schokolade, kämen satte 500 kcal plus x zusammen, je nachdem, aus welcher Schokoladensorte der Hai bestünde. Wir wussten doch schon immer, dass Fisch gesünder ist als Schokolade.
Allerdings darf der Schokoladenhai in Europa derzeit nicht befischt werden. Seine Bestände sind ähnlich gefährdet wie diverse Rochenarten. Nur wenig besser sieht es für den in Spitzenküchen beliebten Wolfsbarsch (Loup de mer) aus. Da gibt es deutliche Beschränkungen für die Befischung, wohl auch deshalb kommt derzeit so viel Wolfsbarsch aus Aquakulturen.
Aber noch mal zurück zum Hai, der in Deutschland – anders als in China – nicht gerade zu den gefragtesten Speisefischen zählt, obwohl er sehr schmackhaft sein kann, selbst wenn er nicht aus Schokolade besteht. Wegen seiner Unbeliebtheit auch außerhalb von Badegewässern behilft sich der Handel deshalb mit einem Trick: Einige Hai-Arten werden unter lieblicheren Namen geführt. So firmiert der Dornhai als Seeaal. Dessen Bauchdecken werden wiederum als Schillerlocken verkauft. Klingt netter als Haibauch. Wie auch Wildstör appetitlicher klingt als Heringshai.
Zu Weihnachten wird es für die meisten Fischliebhaber hierzulande jedoch wieder Karpfen geben. Zumal er nicht auf der Liste bedrohter Fischarten steht. Man kann ihn bedenkenlos essen. Welche Fische jedoch gemieden werden sollten, darüber gibt dieses Greenpeace-Plakat Auskunft.