Aktive Pandemiebekämpfung: Bochumer Restaurant Livingroom wird Testzentrum

Schon in der ersten Welle hat die gehobene Gastronomie in Deutschland ihr Engagement und ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Die wohl am meisten gebeutelte Branche der Pandemie war die erste mit Hygienekonzepten. Einzelne engagierten sich auch bei der kostenlosen Versorgung des Personals in Krankenhäusern und Viele schafften mit dem erfolgreichen Verkauf von Food Boxen etwas, was der kulinarisch anspruchsvolle Esser lange nicht für möglich hielt: Take-Away-Service für Spitzenküche.

Unvergessen, Tim Mälzers Besuche im ZDF-Talk mit Markus Lanz, im April und Mai 2020. Länger als drei Monate hielte er wohl nicht durch, wenn das so weiter ginge, sagte er damals. Und den Tränen nahe machte er deutlich, wie sehr er sich weniger um seine eigene, denn um die Zukunft seiner Mitarbeiter sorgt.

Nach einem Jahr Pandemie mit vielen Monaten Lockdown für die Gastronomie steht Mälzer noch immer. Und nicht nur das: Mittlerweile vertreibt er seine Food-Boxen sehr erfolgreich deutschlandweit, die Osterbox für 129 € ist längst ausverkauft. Keine Frage, Gastronomen wie Mälzer würden lieber heute als morgen wieder normalen Restaurantbetrieb machen, schließlich ist die Interaktion zwischen Gast und Personal das Salz in der Suppe des Jobs. Aber geht halt nicht, im Moment, und sie lassen sich nicht unterkriegen.

Das gilt auch für die Bochumer Family aus Livingroom, Five, Franz Ferdinand und Zum Grünen Gaul. Wie Mälzer verkaufen sie erfolgreich Food Boxen. Doch nun haben sich Seran Bahtijari, Björn Gralla, Enrico Karolczak und Lukas Rüger zu einem besonderen Schritt entschlossen: Sie stellen die weitläufigen Räumlichkeiten des Livingroom als Testzentrum zur Verfügung.

„Der massive Ausbau der Testkapazitäten ist in unseren Augen eine wesentliche  Strategie, dem aktuellen Verlauf der Corona-Pandemie wirksam entgegenzutreten,” heißt es in der Mitteilung der Geschäftsführung von heute früh. Ziel sei es, mitzuhelfen, schnell und effektiv infektiöse Mitbürgerinnen und Mitbürger zu identifizieren und damit Infektionsketten zu unterbrechen. Auch die Nachverfolgung soll auf diese Weise verbessert werden. Das Testergebnis wird per SMS innerhalb von 30 Minuten aufs Handy der Testperson gesendet. Damit besteht dann für 24 Stunden Zutrittsberechtigung u.a. für den Einzelhandel. Man halte sich „selbstverständlich vollumfänglich an die Vorgaben und das Regelwerk für den Betrieb von Testzentren gemäß der Corona-TeststrukturVO des (CTS-VO) des Landes NRW.”

So sehr mir das Auftürmen der dritten Corona-Welle gerade Sorge bereitet und ich der Ansicht bin, wir sollten jetzt alles tun, jeden unnötigen Kontakt zu vermeiden, so sehr zeigt das Beispiel Gastronomie, wie schnelles und lösungsorientiertes Handeln aussehen kann. Die Politik darf sich gerne ein Beispiel daran nehmen. Für das Virus kann keiner was, aber den Umgang mit der Pandemie haben wir zum guten Teil selbst in der Hand. Bleiben Sie tapfer und gesund, liebe Leser!