Bundeskompetenzen: Was ein zehn Jahre alter Lebensmittelskandal mit dem Corona-Krisenmanagment zu tun hat

So zäh die aktuellen Inventurarbeiten an diesem Blog auch sind – wann, wenn nicht jetzt, nach dem Umzug, abgekoppelt vom eingestellten rewirpower-Portal, wären Bestandsaufnahme und Aufräumen angebrachter. Ins Nichts führende Links aktualisieren, Bilder neu verknüpfen, die sich dem Export verweigert hatten, und überhaupt: einfach mal schauen, was man in den letzten 15 Jahren so alles geschrieben, recherchiert und fabuliert hat.

SARS-CoV-2 (CDC-23312)Und das kann mitunter erhellend sein. So stieß ich heute auf ein blogpost vom 22. November 2011. Damals hatten wir in Deutschland gerade die EHEC-Epidemie überstanden, bei der 50 Todesopfer zu beklagen waren. Der Bundesrechnungshof sah sich aufgrund des schlechten Krisenmanagements zur Erstellung eines Gutachtens veranlasst. Titel: Organisation des gesundheitlichen Verbraucherschutzes. Schon im Vorwort heißt es: Die Dioxin- und EHEC-Geschehnisse des Jahres 2011 haben das Vertrauen der Bevölkerung in die Wirksamkeit des staatlichen Risikomanagements beim gesundheitlichen Verbraucherschutz beeinträchtigt.“

Nun haben wir es bei Corona mit einer Pandemie zu tun, einer anderen, viel extremeren  Bedrohungslage, keine Frage. Und doch hätte ein Blick in das Gutachten helfen können, Problemfelder frühzeitig auszumachen, die jetzt „das Vertrauen der Bevölkerung in die Wirksamkeit des staatlichen Risikomanagements“ unterminieren, um es im Behördensprech zu sagen.

Was aktuell so viele Bundesbürger erzürnt, ist der Flickenteppich aus Maßnahmen und Vorschriften, der mit föderaler Entscheidungshoheit gestrickt ist. Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin ein Anhänger föderaler Strukturen, nur scheinen die in Katastrophenlagen vieles katastrophaler zu machen, statt besser.  Die Verfasser des Gutachtens haben das Problem schon damals in der EHEC-Epidemie erkannt und benannt:
„Bei der Frage, welche staatliche Ebene zuvorderst in der Pflicht ist, orientiert sich der Bundesbeauftragte an den Leitgedanken des Subsidiaritätsprinzips. Dieses gewährt den Ländern im föderativen Staatsgefüge einen generellen Zuständigkeitsvorrang vor dem Bund. Eine „Hochzonung“ von Verantwortlichkeit ist aber erforderlich, wenn die Ziele einer Verwaltungsmaßnahme nicht ausreichend auf Länderebene und besser auf Bundesebene erreicht werden können. Der Bund hat durch permanentes Monitoring zu beobachten, ob die Lebensmittelüberwachung durch die Länder die grundrechtlich verbürgten Rechtsgüter Leben, Gesundheit und körperliche Unversehrtheit ausreichend schützt. Ergeben sich Anhaltspunkte für Mängel in sicherheitsrelevanten Bereichen, die die Länder – systembedingt – nicht mehr lösen können, muss der Bund selbst Abhilfe schaffen.

Auch die Corona-Ausbrüche in zahlreichen Fleischfabriken aufgrund schlimmer Mitarbeiterausbeutung, wären wohl vermeidbar gewesen, hätte der Gesetzgeber das Gutachten nicht nur zur Kenntnis, sondern auch ernst genommen. So wurde angeregt, die „Eigenkontrollsysteme effektiver zu gestalten und deren Erkenntnisse stärker für die amtliche Überwachung zu erschließen … Qualitätsstandards für Eigenkontrollen zu stärken … Pflicht zur Dokumentation von Eigenkontrollen zu konkretisieren … Potenziale der nationalen Leitlinien für gute Verfahrenspraxis auszuschöpfen und Eigenkontrollen unabhängig von Betriebskontrollen verstärkt begleitend zu überwachen …“

Das Gutachten hätte aufrütteln und eine Strukturdebatte zum allgemeinen Krisenmanagement anstoßen können und sollen. Hat es leider nicht.

Aktive Pandemiebekämpfung: Bochumer Restaurant Livingroom wird Testzentrum

Schon in der ersten Welle hat die gehobene Gastronomie in Deutschland ihr Engagement und ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Die wohl am meisten gebeutelte Branche der Pandemie war die erste mit Hygienekonzepten. Einzelne engagierten sich auch bei der kostenlosen Versorgung des Personals in Krankenhäusern und Viele schafften mit dem erfolgreichen Verkauf von Food Boxen etwas, was der kulinarisch anspruchsvolle Esser lange nicht für möglich hielt: Take-Away-Service für Spitzenküche.

Unvergessen, Tim Mälzers Besuche im ZDF-Talk mit Markus Lanz, im April und Mai 2020. Länger als drei Monate hielte er wohl nicht durch, wenn das so weiter ginge, sagte er damals. Und den Tränen nahe machte er deutlich, wie sehr er sich weniger um seine eigene, denn um die Zukunft seiner Mitarbeiter sorgt.

Nach einem Jahr Pandemie mit vielen Monaten Lockdown für die Gastronomie steht Mälzer noch immer. Und nicht nur das: Mittlerweile vertreibt er seine Food-Boxen sehr erfolgreich deutschlandweit, die Osterbox für 129 € ist längst ausverkauft. Keine Frage, Gastronomen wie Mälzer würden lieber heute als morgen wieder normalen Restaurantbetrieb machen, schließlich ist die Interaktion zwischen Gast und Personal das Salz in der Suppe des Jobs. Aber geht halt nicht, im Moment, und sie lassen sich nicht unterkriegen.

Das gilt auch für die Bochumer Family aus Livingroom, Five, Franz Ferdinand und Zum Grünen Gaul. Wie Mälzer verkaufen sie erfolgreich Food Boxen. Doch nun haben sich Seran Bahtijari, Björn Gralla, Enrico Karolczak und Lukas Rüger zu einem besonderen Schritt entschlossen: Sie stellen die weitläufigen Räumlichkeiten des Livingroom als Testzentrum zur Verfügung.

„Der massive Ausbau der Testkapazitäten ist in unseren Augen eine wesentliche  Strategie, dem aktuellen Verlauf der Corona-Pandemie wirksam entgegenzutreten,” heißt es in der Mitteilung der Geschäftsführung von heute früh. Ziel sei es, mitzuhelfen, schnell und effektiv infektiöse Mitbürgerinnen und Mitbürger zu identifizieren und damit Infektionsketten zu unterbrechen. Auch die Nachverfolgung soll auf diese Weise verbessert werden. Das Testergebnis wird per SMS innerhalb von 30 Minuten aufs Handy der Testperson gesendet. Damit besteht dann für 24 Stunden Zutrittsberechtigung u.a. für den Einzelhandel. Man halte sich „selbstverständlich vollumfänglich an die Vorgaben und das Regelwerk für den Betrieb von Testzentren gemäß der Corona-TeststrukturVO des (CTS-VO) des Landes NRW.”

So sehr mir das Auftürmen der dritten Corona-Welle gerade Sorge bereitet und ich der Ansicht bin, wir sollten jetzt alles tun, jeden unnötigen Kontakt zu vermeiden, so sehr zeigt das Beispiel Gastronomie, wie schnelles und lösungsorientiertes Handeln aussehen kann. Die Politik darf sich gerne ein Beispiel daran nehmen. Für das Virus kann keiner was, aber den Umgang mit der Pandemie haben wir zum guten Teil selbst in der Hand. Bleiben Sie tapfer und gesund, liebe Leser!

 

 

Guckst du: Beef kommt ins Fernsehen und McDonalds Burger unter die Räder

So ist das mit den Trends: Während die Einen veganern und den Tieren alles weg essen, essen die Anderen Tiere die sonst verhungert wären. Quatsch. Tatsächlich gebären Trends auch immer Gegentrends. Das Magazin BEEF! ist so einer. “Gegen das ganze Grünzeug”, würde so manch wohl meinender Leser wohl sagen. Das Magazin, an Männer gerichtet, will jetzt auch bewegte Bilder auf den Grill, pardon, auf die Bildfläche bringen. Wie der Mediendienst kress meldet, soll der Schauspieler Steffen Wink, ein kerniger Kerl dem man die Rolle abnimmt, als Moderator Themen rund um fleischeslustige Gaumenfreuden auf RTL-Nitro präsentieren.
Derweil plagt sich der Fastfoodgigant McDonalds mit schlechten Umfragewerten. Wie das amerikanische Verbrauchermagazin Consumer Reports aktuell berichtet, mögen die Burgerfreunde in den USA anscheinend lieber woanders ihre Buletten essen. In einem 21 Betriebe auflistenden Ranking landete McDonalds jedenfalls abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Espresso, das lecker-legale Dopingmittel

Kaum ein Genussmittel ist so gut erforscht wie Kaffee. Und deshalb entdeckt der kompottsurfer immer mal wieder Berichte über interessante Untersuchungs-ergebnisse. Viele Ausdauerathleten schwören auf die Wirkung von Kaffee, insbesondere auf die von Espresso, da der einen deutlich höheren Coffeinanteil aufweist als Filterkaffee. Nicht nur als Wachmacher ist Espresso bei Sportlern geschätzt, sondern auch zur Leistungssteigerung. Tatsächlich weisen eine Reihe Studien diese Wirkungen nach. So konnten Wissenschaftler gegen Placebo zweifelsfrei belegen, dass die Leistungsdauer eines Athleten bei einer Trainings- bzw. Wettkampfbelastung in Höhe von 85% seiner maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2Max) beim Laufen um 44% erhöht ist und beim Radfahren sogar um 51%. Die Universität Birmingham fand heraus, dass die Wirkung von Coffein stärker ist als die eines Höhentrainings. In Canterbury wurde eine deutliche Erhöhung der Laufgeschwindigkeit durch Coffein festgestellt,  und an der Universität Chicago ergaben Forschungen, dass die Muskeln eines Sportlers deutlich schneller erholt sind, wenn der Athlet nach dem Training neben Kohlenhydraten auch mindestens vier Tassen Kaffee zu sich nahm. Ebenso ist bekannt, dass die Fettverbrennung durch Kaffeegenuss verbessert wird.
Auf den verstärkten Erholungseffekt mag man vielleicht lieber verzichten, weil so viel Kaffee dann doch Nebenwirkungen wie Schlafstörungen oder Muskelzittern haben kann. Die meisten anderen positiven Effekte wie tiefere und raschere Atmung, höhere Energieeffizienz sowie langsamere Ermüdung sind aber schon mit geringeren Dosen zu realisieren, zum Beispiel mit zwei Tassen Espresso direkt vor oder während der sportlichen Leistung.
Viele Jahre hatte deshalb der Nachweis von erhöhten Coffeinwerten in Urinproben von Sportlern eine Dopingsperre zur Folge. Seit 2004 zählt aber nun Coffein nicht mehr zu den dopingrelevanten Substanzen, weil man seine Wirkung als zu niedrig einstuft. Im Vergleich zu den Boostern, die man von zahlreichen Profiradfahrern und Sprintern gewöhnt ist, ist dann Coffein tatsächlich nur Kleinkram. Uns Ausdauersportlern soll’s recht sein.