Wurde auch Zeit: Endlich dürfen wir Mehlwürmer essen. Aber was zum Teufel ist Ento-Vegan?

Mehlwürmer – die Zukunft nachhaltiger Ernährung?

Als zwei Studenten aus Osnabrück im Jahr 2015 einen Burger aus Insekten schufen, war das Produkt einem sicheren Platz im Supermarktregal so nah wie Annalena Baerbock einer Kandidatur zur Kanzlerin. Aber so wie die Menschen in Deutschland mehr und mehr eine grünere Zukunft herbeisehnen, ist auch die Akzeptanz von Produkten wie Insektenburger als umweltfreundlicher Fleischersatz gestiegen. Und es gibt sie längst bei REWE zu kaufen.

Die industrielle Fleischproduktion hat den Konsum nachhaltig entblutet. Portionsgerecht zurechtgeschnitzelt ist Nahrungsmitteln ein tierischer Ursprung kaum noch anzusehen. Und das dürfte von den Großfleischereien auch so gewollt sein. Der Konsument soll ja nicht mit Gewissenbissen seine Zähne ins Kotelett hauen. Das würde nur auf den Appetit und damit auf den Umsatz schlagen.

Würden die Bundesbürger wohl noch die gleiche Menge Fleisch vertilgen, wenn sie die Tiere selbst schlachten müssten? Ich halte das für wenig wahrscheinlich. Eher steigt der Respekt vor dem Tier, und man lernt alles schätzen, was so ein geschlachtetes Rind oder Schwein hergibt. Vom Blut über die Innereien bis zu den Haxen.

In 2008 berichtete ich hier erstmals darüber, welche Folgen Massentierhaltung für das Klima hat. Und natürlich gehört auch diese Frage auf den Tisch, wenn es um umweltfreundliche Zukunftsgestaltung geht. Nun hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor wenigen Tagen die Zulassung des Gelben Mehlwurms (Tenebrio molitor larva) als neuartiges Nahrungsmittel im Rahmen der Novel-Food-Verordnung beschlossen. Es ist damit das erste durch die Verordnung offiziell genehmigte Insekt seit deren Einführung in 2018. Zwar durften auch vorher schon Insekten als Nahrungsmittel verkauft werden, aber nur deshalb, weil sie bis dahin nicht als neuartig galten. Das änderte sich erst mit der Verordnung. Aber weil man nicht alle bereits auf dem Markt befindlichen Produkte auf einen Schlag verbieten wollte oder konnte, dürfen Erzeugnisse im Rahmen einer Übergangsfrist auf Antrag so lange weiter verkauft werden, bis eine endgültige Genehmigung der EFSA erfolgt ist. So entkam  auch der Insektenburger der Bug Foundation den Tentakeln der Bürokratie.

Nun sind wir an einem Punkt angekommen, wo wir die in vielerlei Hinsicht schlimmen Folgen großindustrieller Fleischproduktion nicht mehr übersehen können. Corona hat uns noch mal vor Augen geführt, dass neben den Tieren auch Menschen ausgebeutet werden in diesem Geschäft. Die Bilder von eingepferchten Rindern, Hühnern und Schweinen haben wir alle im Kopf. Dazugekommen sind jetzt noch die Bilder von dicht an dicht in engen Kühlräumen arbeitenden Schlachtern, die ihren Schlaf in stallartigen Behausungen finden müssen, zusammengedrängt mit vielen ihrer Kollegen.

Aber haben Nahrungsmittel auf Basis gezüchteter Insekten tatsächlich eine realistische Chance als Alternative zum Fleischkonsum? Ich bin da skeptisch, zumindest für Deutschland. Und das liegt nicht zuletzt an unserer kulturellen Prägung. Klar, Insekten haben ernährungsphysiologisch einiges zu bieten, aber wir essen nun mal mehr nach Gefühl als mit dem Verstand. Selbst wenn dem enbluteten Konsum von Fleisch der entgliederte Konsum von Insekten folgt, die man pulverisiert zu Burgern transformiert, werden wir an den ursprünglichen Inhaltsstoffen kaum vorbei denken können, vermute ich.

Und dabei ist die wichtigste ethische Frage noch gar nicht gestellt: Können Insekten Schmerz empfinden? Neueren Forschungen zufolge können sie das sehr wohl, und ehrlich gesagt wundert mich das auch nicht. So haben Wissenschaftler der Universität Sydney mit einer Arbeit über Nervenverletzungen bei Fruchtfliegen gezeigt, dass sich bei den Tieren akute und chronische Schmerzen entwickeln können. Wenn wir es also ethisch auch nur halbwegs konsequent angehen wollen, helfen uns Zuchtfarmen für Abermillionen Insekten nicht weiter. Die so genannten Ento-veganer, die eine ansonsten strikt pflanzliche Kost um Insektenvertilgung erweitern,  geben für mich übrigens eher das Bild einer weiteren Sekte im Verbund ernährungsorienter Ersatzreligionen ab. Natürlich kann man auch Insekten essen, warum auch nicht, aber es wird sicher nicht die Welt retten.

Ganz davon abgesehen, will ich mir auch gar nicht ausmalen, was passiert, wenn Tierschützer Befreiungsaktionen von Insektenfarmen starten und die Menschheit von rachsüchtigen Krabblern in Angst und Heuschrecken versetzt wird.

Was bleibt? Die Hoffnung auf Zuchtfleisch. Jedenfalls für mich. Entbluteter Konsum von Fleisch, der ohne Tierleid möglich wird.

 

Ein Granatapfelmassaker für den besten aller Zwecke: Gesundheit

Auf der nach oben offen Skala für Lebensmittel, denen eine besonders positive gesundheitliche Wirkung nachgesagt wird, erreicht der Granatapfel (Punica Granatum) Spitzenwerte. Kaum ein Frauen-, Gesundheits oder Ausdauersportmagazin, das ihn nicht als Heilsbringer anpreist. Eine Reihe von Studien legen tatsächlich die Vermutung nahe, dass der auch kulturgeschichtlich bedeutsame Granatapfel positive Wirkungen haben könnte im Einsatz gegen Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Da will es so gar nicht ins Bild passen, dass das gute Stück ausgerechnet bei den griechischen Göttern der Unterwelt so beliebt gewesen sein soll. Zugegeben, irgendwie passt es schon, weil nämlich bei der Bergung der blutroten Kerne ganz schnell ein solides Massaker angerichtet ist. Man gerät geradezu in einen Blutrausch, wenn man nicht aufpasst. So ergeht es mir jedenfalls, wenn ich mich nicht mit der Präzision eines Gefäßchirurgen ans Werk mache.
Ich schweife ab. Gesundheit also. Auf dieser Seite findet sich eine eindrucksvolle Liste, die alle Erkrankungen aufführt, denen der Granatapfel zu Leibe rücken kann. Auch wenn der hohe Anteil an Kalium, Vitamin C, Calcium und Eisen schon recht hoch erscheint – es ist wohl auf die Polyphenole zurückzuführen, dass der Granatapfel so wirkungsvoll ist. Deren Qualität soll die auch in anderen roten Beerenfrüchten enthaltenen Polyphenole bei weitem übersteigen. Nur herumgesprochen hat sich die heilsame Wirkung der Granatäpfel trotz vieler Medienbericht offenbar noch nicht, denn in jeden Supermarkt, wo ich einen dieser Wunderäpfel kaufe, liegt er wie Blei in den Regalen, und das Personal an der Kasse muss erst einmal im Handbuch nachschlagen, was sie kosten. Oder bei den Kollegen nachfragen, die es aber auch nicht wissen.
Meiner Informationspflicht- und schuldigkeit bin ich also nachgekommen. Sage niemand, er hätte es nicht gewusst. Ich jedenfalls adele mein morgendliches Müsli jetzt meistens mit einer üppigen Portion Granatapfelkernen. Und etwas hochprozentiger Bitterschokolade, die ebenfalls reich an Polyphenolen sein soll, aber das ist in diesem Fall zweitrangig. Da zählt mehr der geschmackliche Zusatznutzen.

Jan Fitschen: Deutschlands bester Marathonläufer als Müslimacher

Qualität vom Bauernhof: Das Läufermüsli

Er ist nicht nur ein sehr schneller Läufer und ein Pfundskerl sondern seit einer Weile auch ein Müslimacher: Jan Fitschen, der für den TV Wattenscheid 01 startende 36-jährige Europameister über 10.000 Meter aus 2006, hat in Zusammenarbeit mit dem Naturkostbetrieb Bauckhof und dem Institut für Sporternährung Bad Nauheim zwei Müslimischungen kreiert. Und die werden als Läufermüsli Start und Ziel vermarktet.

 Der kompottsurfer hat das Startmüsli am Samstagmorgen vor der Brocken Challenge gefrühstückt. Um 5 Uhr bei Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt frühstücken ist ja schon sportlich genug, da braucht’s erst recht nahrhaftes Essen. Und das ist Jans Müsli in jedem Fall, mit Amaranth, Dinkel und Buchweizen, mit Trockenfrüchten und Nüssen. Schmecken tut’s auch. Nur schneller gemacht hat’s den kompottsurfer nicht, für den es bis Kilometer 50 recht ordentlich lief, aber dann schlugen Wadenkrämpfe gnadenlos zu. Aber das lag natürlich nicht am Frühstück, sondern an dem bis dahin angeschlagenen Tempo im Verhältnis zum desolaten Trainingszustand. Der Brockengipfel wurde dann aber doch noch erreicht – und das bei schönstem Schneesturmwetter.
Wie Jan zum Müslimachen gekommen ist, dazu wird er mir demnächst hoffentlich mehr verraten. An dieser Stelle kann ich ihm erst Mal nur wünschen, dass seine Verletzung bald überwunden ist, auf dass er wieder richtig angreifen kann.

Tomatenzeit: Alte Sorten sorgen für Abwechslung

Biodiversität heißt das Zauberwort für alle, die geschmacklich was erleben wollen. Und zu deren Glück pflegen immer mehr Bauern in Deutschland eine wachsende Sortenvielfalt und auch die Rekultivierung alter Sorten. Das fällt dem kompottsurfer ganz besonders beim Thema Tomaten auf, von denen es im Laufe der Jahrtausende weltweit mehrere Tausend gegeben haben soll.
Gestern gab’s auf dem Markt am Bochumer Hauptbahnhof wieder einige ungewöhnliche Sorten zu probieren und natürlich auch zu kaufen. Ich entschied mich für Black Plum, eine Tomate mit filigranen Geschmacksnoten, die an meinem Gaumen dezent süßlich und eher säure-arm wirkte. Einen wirklich schönen Überblick in Sachen Tomaten gibt’s übrigens hier und hier.