Bitte unbedingt das Kleingedruckte lesen

Gestern im Köln-Deutzer Bahnhof: Mein Regionalexpress ist gerade vor meiner Nase weggefahren, mich dürstet es nach Latte Macchiato und mein Hinterteil verlangt nach einem Sitzplatz. Die gastronomischen Optionen sind übersichtlich. Entweder Mc Cafe, oder Mc Cafe oder Mc Cafe. Also Mc Cafe. Als ich da nun so sitze und an die Wand starre, fällt mir etwas auf, das ich hier niemals erwartet hätte: eine Nähwerttabelle. In einem Fastfood-Restaurant hängt eine Nährwerttabelle! Nun mögen Stammkunden einwenden, dass das schon seit Jahren so ist und die Dinger in jedem McDo zu finden sind – für mich war’s neu. Sei’s drum, ich starrte darauf und wunderte mich über die – aus meiner Sicht – erstaunlich geringen Kalorienzahlen, mit denen Cheeseburger und Co. am Start sind. Nach meiner Einschätzung dürften einige der Burger locker 20-30% mehr Kalorien aufweisen als angegeben. Doch selbst wenn die Werte korrekt sein sollten, bleiben noch genügend Kalorien übrig, um nicht nur ernährungsbewussten Menschen einen Schrecken einzujagen. Also erst Tabelle lesen, dann ordern.
Vielleicht ist die ausgehängte Nähwerttabelle das Ergebnis einer Klage aus 2003, durch die fettleibige Teenager aus den USA McDonald’s zu Schadensersatz verklagen wollten, da sie nicht über die Gefahren durch Fast Food aufgeklärt worden seien. Die Klage wurde seinerzeit allerdings abgewiesen.

Kocharena: Marquard, Moschner, Calli und die Gefahr durch Passiv-Essen

Wie der Fernsehsender VOX mitteilte, werden am 20. April (20.15 Uhr) erstmals Prominente (na ja, sagen wir vorwiegend solche aus der Dschungelcamp-Liga) in der Kocharena antreten. Und das ausgerechnet gegen den von mir sehr geschätzten Stefan Marquard. Wie ich Stefan kenne, wird er dazu spätestens in ein paar Jahren sagen: „Ich war jung und brauchte das Geld.“ Mit ihm könnte man jedenfalls sowohl unterhaltsamere als auch informativere Kochsendungen machen. Zugegeben, Ruth Moschner als Gegnerin ist okay. Könnte sogar lustig werden. Aber dann warten ja unter anderem noch Claudia Effenberg und Dschungelkönigin Desirée Nick auf ihn (und auf uns, sollten wir uns zum Zuschauen verurteilen).
Leider ist RTL meiner Forderung immer noch nicht nachgekommen, den offensichtlich adipösen Calli aus dem Verkostungsteam zu nehmen. Sein Einsatz grenzt für mich wirklich an Körperverletzung. Wenn Ex-Kanzler Helmut Schmidt da säße und sich nach dem Essen eine Zigarette anzündete, gäbe es einen Proteststurm sondergleichen. Aber weil die Gefahr durch Passiv-Essen noch nicht bekannt ist, meckert keiner (außer ich). Gefahr durch Passiv-Essen? Dreht der kompottsurfer jetzt komplett durch? Absolut nicht. Eine der größten Gefahren lauert im Öffentlichen Nahverkehr. Neulich setzte sich im Bus eine sehr, sehr dicke Dame neben mich. In einer Kurve verlor sie ihren Schwerpunkt (keine Ahnung, wo der hingekullert war), jedenfalls drückte sie mich volles Pfund gegen die Scheibe, so stark, dass mir die Luft wegblieb. Hätte dort ein Kind gesessen, es hätte sicher mit lebensgefährlichen Quetschungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Wer auch schon mal durch Passivessen geschädigt wurde, kann mir seinen Fall ja mal schildern. Bin schon sehr gespannt.

Ein Bochumer in München (III): Koscheres Brot aus der Hofpfisterei

Ich bin ja backwarenmäßig ziemlich verwöhnt, habe ich doch das Glück in einer Stadt zu wohnen, die mit der Bäckerei Hutzel eine der besten und traditionsreichsten Vollkornbäckereien NRWs am Start hat. Was für eine glückliche Fügung, dass ich bei meinem Besuch in München durch einen privaten Tipp dort auch gleich eine erstklassige Bäckerei entdeckte: die Hofpfisterei. Das Unternehmen wurde für seine Produkte vielfach ausgezeichnet und verfügt über fast 80 Filialen. Knapp die Hälfte davon liegen in der Stadt, die anderen im Großraum München, und sie ist auch in Nürnberg, Stuttgart und Karlsruhe vertreten. Wer neugierig geworden ist, aber weit nördlich des Weißwurstäquators wohnt, kann die Brote – von denen die meisten auch als koscher zertifiziert sind – über die Website der Hofpfisterei bestellen und mal probieren.

Hart aber fair: Dick, dicker, deutsch

Spannende Diskussionsrunde über mein aktuelles Lieblingsthema bei Frank Plasberg, der die gestrige Sendung Hart aber fair mit den folgenden Fragen zuspitzte: Zu viel Pizza, zu viel Pommes– jeder zweite Deutsche ist zu dick. Schon unsere Kinder wiegen viel zu viel. Die Folgen können dramatisch sein: Depressionen, Diabetes, Herzinfarkt. Doch wer hat Schuld?
Am Ende ausgerechnet die Schuldfrage. Hätte man sich auch sparen können. Schuldzuweisungen haben, wie ich finde, selten konstruktiven Charakter, sie lenken ab und führen oft dazu, robleme in gegeneinander Aufrechnen von Einzelaspekten zu zerreden, statt einen Blick für die Summe aller Faktoren zu gewinnen. Für mich also der falsche Ansatz, obwohl die Sendung trotzdem sehr gut und wichtig war. Und das lag nicht zuletzt an den vielen informativen Einspielern von Frank Plasberg. Die Gäste fand ich nahezu durchgängig nur mässig bis gar nicht überzeugend. Horst Seehofer, Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wollte wohl beweisen, wie aktiv sein Ministerium in Ernährungsfragen ist, Snackhersteller Werner Wolf versuchte zu vermitteln, wie gut seine Podukte sind und dass die Industrie die wahren Ursachen der Fettleibigkeit nicht nur erkannt hat sondern sogar dagegen vorgeht (nein, die Produktion von Chips wird nicht eingstellt, man unterstützt lieber Fitnessprogramme mit denen die Chipskalorien wieder abtrainiert werden können). Sarah Wiener verbiss sich leider in Fragen über Lebensmittelzusatzstoffe und führte ausgerechnet Zitronensäure (E 330) an, die jedoch sogar von Ökotest als gesundheitlich unproblematisch * eingestuft wird und ungefähr so viel zur Verfettung der Menschen beiträgt wie eine Aspirintablette. Über die von Sarah gerne verwendeten Zutaten Butter und Sahne in ihren über das Fernsehen verbreiteten alpenländisch ausgerichteten Rezepten hätte Plasberg auch reden können, wenn er hart gewesen wäre. War er aber in diesem Punkt nicht. Von Sarah wiederum hatte ich mir eine stärkere Hinwendung zur Kochkultur gewünscht, die ihr leider nur ansatzweise gelang. Thilo Bode von foodwatch war mir zu sehr mit der Geißelung der Lebensmittelindustrie beschäftigt, und dass Schauspieler Reiner Hunold mal wieder sein Image als XXL-Model pflegt und über die gesellschaftlich ausgegrenzten Dicken jammert, war ohnehin zu erwarten.
Mein Fazit aus der Sendung ist, dass die vielen Faktoren, die Übergewicht verursachen, in einem gesellschaftlichen Diskurs augeleuchtet und in einem Gesamtkonzept angegangen werden müssen. Für mich ergibt sich folgendes Ranking bei den Ursachen: wachsende Armut, fehlende Bildung, mangelnde Eigenverantwortung, zu geringe Reglementierung der Lebensmittelindustrie, mangelnde Kochkultur.
Was man meiner Meinung nach ganz konkret tun sollte, neben einer ganz allgemein formulierten, gesamtpolitisch am Wohl der Vielen ausgerichtete Arbeits-, Sozial- und Bildungspolitik, hier mal in loser Reihenfolge:
– Adidpositassteuer für Junk-Food-Produkte zur Finanzierung von Ernährungsprojekten
– Ganztagsschulen mit einer für Kinder aus bedürftigen Familien kostenlosen, gesunden Verpflegung
– Koch- und Ernährungsunterricht als Pflichtfach in den Grundschulen
– staatliche Kampagnen zur Vermittlung von Ernährungswissen
– Ampelkennzeichnung für Lebensmittel einführen (wie in England)
Und dann war da noch die Sache mit der Wurstvergleichsverkostung in der Sendung, bei der keiner, wirklich keiner der Gäste bemerkte, dass eine der beiden Würste nahezu fettfrei hergestellt wurde. Die Wurst stammt aus der Metzgerei von Josef Pointner, der sie mit Unterstützung des Fraunhofer Instituts entwickelte und zum Patent angemeldet hat.

* Nachtrag: Der Link wurde von Ökotest inzwischen entfernt. In einem Beitrag von 2012 heißt es nun: “E 330 wird mithilfe gentechnisch manipulierter Schimmelpilze auf Zuckerlösungen erzeugt, die aus Gen-Mais gewonnen sind ….  Zitronensäure ist Säure- und Antioxidationsmittel in Softgetränken, steckt aber auch in Fertiggerichten, Wurst und Desserts.” Als Dickmacher wird es auch weiterhin nicht eingestuft.