Eine Adipositas-Steuer für Schokolade und Chips muss her!

Schon vor einigen Wochen war mir im Supermarkt der enorme Anstieg der Schokoladenpreise aufgefallen. Ritter Sport, Mars, Kitkat und Milka kosten jetzt deutlich mehr als zuvor. Nicht, dass ich ein besonderer Freund großindustriell hergestellter Schokolade wäre, aber die Preiserhöhung, quer durch die Herstellerlager, kam mir schon merkwürdig vor.
Heute meldet die Financial Times Deutschland in ihrer Holzausgabe, dass die Unternehmen Nestlé (kitkat), Kraft Foods (Milka), Mars und Ritter von Fahndern im Auftrag des Kartellamts durchsucht worden sind. Vorwurf: Preisabsprache. Kurios finde ich allerdings die Angabe, dass die Preiserhöhungen im Schnitt lediglich um 10-12 Prozent gestiegen seien. Meine Beobachtungen haben ergeben, dass die Preise teilweise um 25% erhöht wurden. Einige Supermärkte haben zum Beispiel Ritter Sport Schokolade nicht mehr für 69 Cent sondern für 85 Cent im Programm.
Als Grund für die Erhöhung werden die erhöhten Kosten für Kakao und Nüsse angegeben. Tatsächlich stiegen vor allem die Preise bei Mandeln und Nüssen, auch Milch wurde deutlich teurer, ganz zu schweigen von den Energiekosten. Bei Ritter wurde im vergangenen Jahr allerdings schon eine 20-prozentige Preiserhöhung wegen schlechter Geschäftszahlen angekündigt (die wiederum auch wieder mit den erhöhten Kosten begründet wurden).
So kritikwürdig Preisabsprachen auch sind – gegen deutlich höhere Preise bei Süßigkeiten und Chips hätte ich nichts. Im Gegenteil, ich würde das sogar begrüßen, weil diese Kalorienbomber schon seit Jahren von vielen Deutschen wie Grundnahrungsmittel vertilgt werden. Am besten sollte eine Adipositas-Steuer aufgeschlagen werden, die komplett in Projekte für bessere und gesündere Ernährung und Abspeckprogramme fließt (und nicht in die Sanierung des Staatshaushalts). Mir tut es in der Seele weh, wenn ich die vielen mopsigen Kinder auf der Straße sehen muss, die unter ihrem Gewicht leiden, aber deren Familien nicht Willens und in der Lage sind, dass Problem zu lösen. Und in den Schulen passiert auch zu wenig.
Über die gesellschaftlichen Zusammenhänge in Sachen Übergewicht wurde an dieser Stelle in den letzten Wochen ja schon einiges geschrieben. Wenn diese süßen und fettigen Gesundheitskiller deutlich teurer wären, würde das niemandem schaden und der Umgang damit könnte – in Verbindung mit entsprechender Aufklärung – ein verantwortlicherer werden. Mit Genuss hat das oft völlig hemmungslos praktizierte Hineinschaufeln von Junk Food nach meiner Überzeugung jedenfalls überhaupt nichts zu tun.

Nationale Verzehrsstudie: Armes, dummes, dickes Deutschland?

Als ich vor einigen Monaten auf die anstehenden Befragungen zur nationalen Verzehrsstudie hinwies, machte ich mich noch lustig über die Fotos auf der Internetseite zur Studie. Ein paar Gurkenscheiben auf weißen Tellern angerichtet, dienten den Machern des Beitrags als (vor-)bildlicher Themenbezug. Jetzt sind die ersten Ergebnisse bekannt gegeben worden, angesichts derer einem sogar noch die paar Gurkenscheiben im Hals steckenbleiben. In Deutschland sind nämlich satte 66 Prozent der Männer und 50,6 Prozent der Frauen übergewichtig oder adipös. Beim starken Übergewicht liegen Männer und Frauen wieder einigermaßen gleichauf: Jeder fünfte Bundesburger, pardon bürger, gilt als deutlich übergewichtig. Auffällig: Je höher der Schulabschluss desto geringer ist der Body Mass Index (BMI) bei Männern und Frauen. Und mit steigendem Pro-Kopf-Nettoeinkommen zeigt sich bei Männern und Frauen ein Absinken des BMI. Da der BMI nur bedingt aussagekräftig ist (muskulöse Menschen verfügen z.B. trotz sehr niedrigen Körperfettanteils über einen hohen BMI, weil Muskelgewebe eine deutlich höhere Dichte als Fettgewebe aufweist und deshalb schwerer ist) wurde bei der Untersuchung auch noch der Taillenumfang gemessen und entsprechend berücksichtigt.
Sehr speziell finde ich die Fragen zum Thema Ernährungswissen. Was schließe ich daraus, wenn nur 58 Prozent der Befragten aus drei angebotenen Beschreibungen die richtige Erklärung für probiotischen Joghurt geben können und 66,7% die richtige Definition für ACE- Getränke angeben? Dass sie über geringes Ernährungswissen verfügen, wenn sie das nicht wissen? Oder wenn sie mit “5 am Tag” nicht die Kampagne “Fünf Mahlzeiten am Tag” assoziieren? Na ja.
Vor einigen Wochen las ich im digitalen Spiegel eine Story von Philip Bethge über den Beitrag des Kochens zum Hirnwachstum. Evolutionstheoretisch gesehen, natürlich. Vor ungefähr zwei Millionen Jahren begann der Mensch zu kochen, zitiert Bethge den Biologen Richard Wrangham von der Harvard University in Oxford, der damit die bisher angenommene Initialzündung des Kochens um bedingt erbsenzählerische 1,2 bis 1,8 Millionen Jahre vorverlegt. Das Essen von gekochter Nahrung, so Wrangham, habe die Hirnentwicklung beschleunigt, das Sozialgefüge beeinflusst und Paarbindungen mit entsprechender Rollenverteilung gefördert. Ein bisschen zweifelhaft wirkt seine Behauptung aber schon deshalb, weil Feuerstellen vom Menschen frühestens erst seit 750.000, wahrscheinlich sogar erst seit 250.000 Jahren genutzt worden sein sollen. Wrangham hält dagegen und verweist auf entsprechend Funde sowie den Entwicklungsfortschritt des Menschen zu jener Zeit.
Aber egal. Ich frage mich etwas ganz anderes. Wenn Kochen den Menschen klug gemacht hat, dann, so rückschließe ich mal verwegen, macht Nichtkochen dumm. Gefahr also für alle Rohkostfreunde, tendenziell also besonders Vegetarier, weil die weniger kochen. Laut irgendeiner Statistik soll es aber gerade unter Wissenschaftlern die meisten Vegetarier und Rohköstler geben. Merkwürdig. Ist das vielleicht der Grund, warum den Menschen noch nichts Kluges eingefallen ist, um die großen Probleme der Menschheit wie Krieg und Umweltzerstörung zu lösen? Weil zu viele Rohkostfreunde für das wissenschaftliche Denken zuständig sind? Du liebe Güte, das mag ich jetzt kaum zu Ende denken. Langfristig macht Rohkost dumm, kurzfristig allerdings dünn und damit weniger dumm und weniger arm.
Mein Fazit aus diesen Erkenntnissen und der nationalen Verzehrsstudie: Die Menschen sollen wieder mehr Kochen und weniger Rohkost essen, damit sie nicht Jahrtausend um Jahrztausend wieder dümmer werden. Also weg mit den Gurkenscheiben. Sowas hilft nur kurzfristig, genau wie probiotische Produktvokabeln auswendig zu lernen und übersetzen zu können. Und lecker ist das alles mal überhaupt nicht. Aber was tun mit den vielen übergewichtigen Deutschen, die offenbar zu arm und zu dumm sind, um schlank sein zu können? Ja, da fallen mir nur wieder die nie eingehaltenen Wahlkampfversprechen der Politiker ein: mehr Arbeitsplätze, bessere Bildungschancen insbesondere für Kinder aus sozial schwachen Familien.

Meine Lieblingslimo hat’s erwischt: Ökotest bemängelt Bionade

Ausgerechnet das Original kriegt in der aktuellen Ausgabe von Ökotest rechlich Stoff und schneidet im Bio-Limonadentest nur mittelmäßig ab: “Die Bionade Ingwer-Orange bekommt nur ein befriedigend. Mehr als die Hälfte der Bio-Limonade kann man sich aber ganz cool schmecken lassen. Sie sind sehr gute und gute Alternativen zu den üblichen Softdrinks. Bei vielen bekommt das Bio-Image durch zugesetzte Aroma- und Zusatzstoffe allerdings einen Kratzer”, heißt es in den Erläuterungen zum Test.
“..kann sich ganz cool schmecken lassen”??? Was ist das denn für eine verquere berufsjugendliche Formulierung? Na, egal. Ich liebe jedenfalls diese Bionade. Schon wegen des Umstands, dass Firmenboss Peter Kowalsky seine Limomarke nicht von Coca-Cola kaufen ließ. Und weil die Typo auf dem Etikett so schön ist. Und ja, natürlich, sie schmeckt mir auch ganz besonders gut. In Zeiten, die mir wegen Marathonvorbereitung weitgehende Alkoholabstinenz abverlangen, ist Bionade eine prima Alternative. Am liebsten trinke ich die Holunderbrause. Die bekam übrigens in 2006 von Ökotest noch das Gütesiegel sehr gut. Ob mich das aktuelle Ökotestergebnis jetzt auf Alternativprodukte wechseln lässt? Um Himmels Willen, nein!

Gerade noch rechtzeitig Vegetarier werden

Endlich hatte ich gestern alle Weihnachtseinkäufe im Sack. Nur Fleisch fehlte mir noch, das ich allerdings bestellt hatte und das hoffentlich an Heiligabend beim Metzger meines Vetrauens bereit liegen würde. Erleichtert stiefelte ich also Richtung Hauptbahnhof, doch ein Plakat, mitten in der Fußgängerzone aufgestellt, riss mich aus meinem Stimmungshoch. Auf dem Plakat prangte ein putziges Ferkelgesicht und die Parole: Hoffentlich werden die Menschen noch rechtzeitig Vegetarier. Rechtzeitig vor was? Vor Ladenschluss? Vor dem Aussterben aller Schweine? Oder gar vor Weihnachten? Ich griff zu meinem Handy und wählte die Nummer meines Metzgers. Vielleicht hatte ich ja aus Versehen Schweinefleisch statt Rind bestellt, und das Foto mit dem süßen Ferkelgesicht würde mich bis ins neue Jahr hinein verfolgen und schweinische Albträume verursachen. Aber in der Metzgerei nahm kein Schwein den Hörer ab. War es vielleicht schon zu spät? Ja, war es, wie mir schlagartig klar wurde. Samstagnachmittags um 15.30 Uhr haben Metzgereien nämlich gewöhnlich längst zugesperrt. Ich traf also folgende Entscheidung: Bis Jahresende werde ich KeinSchweineVegetarier. Soll heißen, ich esse kein Schwein, und ich verspreche außerdem, mir nicht einmal Til Schweigers KeinOhrHasen im Kino anzusehen. Letzteres gilt sogar bis Ende 2008. KeinGansVegetarier zu werden schaffe ich bis Ente des Jahres wohl nicht, dafür aber KeinGanzVegetarier. Ich esse also fortan keine ganzen Tiere mehr. Irgendwo muss ich ja mal anfangen.