Die Milch macht’s ….. jetzt noch länger

In den letzten zwei Wochen fiel mir bei meinen Frischmilcheinkäufen auf, dass die auf den Packungen aufgedruckten Haltbarkeitsdaten deutlich längere Zeitspannen zwischen Einkauf und Verfallstermin beschrieben als ich das bisher gewohnt war. Maximal fünf Tage standen früher auf der Ablaufuhr, aber jetzt sind es sage und schreibe 17 (!!) Tage Haltbarkeit. Also wenn ich H-Milch will, dann kaufe ich auch H-Milch.
Aus den gewohnt gut unterrichteten Kreisen in meiner Bekanntschaft erfuhr ich, dass die Milch mittlerweile bei oft deutlich höheren Temperaturen als den standardisierten kurzzeitigen 75-85° Celsius erhitzt wird. Für so genannte ESL wird sogar bis auf 127° C. erhitzt, also nur 8° C. weniger als für H-Milch. Das geht natürlich zu Lasten des Aromas, und auch einige Vitamine der B-Gruppe dürften das nicht schadlos überstehen. Verbraucherfreundlich wäre es, wenn auch das Abfülldatum auf der Milchpackung zu finden wäre. Dann könnte der Verbraucher gleich erkennen, ob er es mit frischer oder auf Haltbarkeit getrimmter Milch, die kurz vor dem Exitus steht, zu tun hat. Wer die Mühe nicht scheut, könnte die Packungen sammeln und aus der Kodierung über kurz oder lang das Abfülldatum entschlüsseln, das je nach Produzent unterschiedlich kodiert ist. Ich werde es mal versuchen und meine Ergebnisse ins Netz stellen.

Erneut Abschaffung der CMA gefordert

Pünktich zum Beginn der Anuga in Köln flammt die Diskussion um die Abschaffung der Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft CMA wieder auf. Es geht in der Hauptsache um die Zwangsabgaben der Erzeuger und die Verwendung der eingezahlten Mittel. Das Gault Millau Magazin hat in seiner neuesten Ausgabe die Problematik umfangreich dargelegt und deutlich gemacht, warum eine Abschaffung sinnvoll ist. Die Argumente liegen bar auf der Hand, denn die CMA kassiert von den Bauern 0,4% des Warenwerts von Agrarprodukten wie Fleisch, Gemüse, Milchprodukte und Bier, darf aber aufgrund eines EuGH-Beschlusses die Vorzüge deutscher Produkte nicht mehr anpreisen – wodurch die Nützlichkeit der CMA von den betroffenen Produzenten logischer Weise infrage gestellt wird. Nach einem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Köln, das ausgesetzt wurde, soll nun das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob den Bauern die CMA-Zwangsabgabe überhaupt noch zuzumuten ist. Das Urteil wird für 2008 erwartet.

Ruhrpottschnecken: Sie kommen langsam, aber immer öfter

Die Rede ist ausnahmsweise nicht von den Heerscharen dahinglitschender Nacktschnecken, die Jogger wie mich in diesem Herbst zu wahren Step Aerobic Artisten werden lassen, weil sie die Gehsteige so dreist annektieren wie Nordic Walkerinnen die Waldwege im Weitmarer Holz. Nein, es geht um Weinbergschnecken. Und zwar im Ruhrpott.

In freier Wildbahn lebenden Exemplare, die ohnhin unter Naturschutz und damit dem Feinschmecker nicht zum Verzehr zur Verfügung stehen, sind im Ruhrgebiet kaum zu finden. Aber die neue Grafschafter Weinbergschneckenzucht in Moers hat inzwischen ihre erste Generation Helix Pomatia in biologisch kontrollierter Freilandhaltung auf genussfähige Größe hochgepäppelt, die es jetzt auch zu kaufen gibt. Es ist übrigens ein in NRW einzigartiges Projekt. Die Schnecken werden küchenfertig, vorgegart und schockgefrostet im 50er oder 100er Paket geliefert, sie sind jedoch einzeln aus der Verpackung entnehmbar. Der Stückpreis pro Schnecke liegt bei 55 Cent.
Bei meinen Reisen durchs Burgund habe ich einige Male Schnecken gegessen, aber begeistert hat mich das nicht. Der besonderen Textur des Fleisches steht ein meines Erachtens kaum ausgeprägtes Aroma entgegen. Schneckenfreunde werden das natürlich anders sehen, schon klar. Für alle, die beim Essen den Gesundheits- und nicht den Genussaspekt in den Vordergrund stellen, ist noch der Hinweis von Belang, dass Schneckenfleisch kaum Cholesterin, aber dafür das als krebshemmend bekannte Glykoprotein Lektin enthält.

Drastische Milchpreiserhöhung: Nur Abzocke oder was?

Der Aufschrei war wieder einmal groß als gestern publik wurde, dass die Preise für Milch und Quark noch einmal um bis zu 53 Prozent steigen sollen. Bereits vor vier Wochen hatte es eine Erhöhung um rund 10 Prozent gegeben.
Sollen mit der erneuten Erhöhung nun tatsächlich Fantasiepreise am Markt durchgesetzt werden, oder was ist der Grund für diese Entwicklung? Ich habe mal eine verlässliche Quelle aus der Milchindustrie angezapft, die logischer Weise noch einen andere Betrachtungswinkel ins Spiel bringt und argumentiert, dass im Grunde schon der Umstand, dass ein Liter Mineralwasser teurer ist als ein Liter Milch aussagekräftig genug sei. Großhandel und Discounter wie Aldi, Lidl, Plus und Co. hätten in den letzten Jahren so extrem auf die Preise gedrückt, dass die Margen immer geringer geworden seien. Wenn jetzt bei auslaufenden Lieferverträgen Preiserhöhungen durchgesetzt werden, sei das nur eine logische Folge des jahrelangen Dumpings. Auf Spiegel Online wird Immanuel Bayrakcioglu, Geschäftsführer der Alstermarkt OHG in Hamburg mit den Worten zitiert: “Das ist Abzocke. Der Bauer bekommt ein paar Cent pro Liter, den Rest schlägt die Industrie drauf.” Ich traue dieser Sündenbocknummer allerdings nicht und bin fast sicher, dass der Handel die Gelegenheit nutzen wird, um noch ein paar Cent extra zu verdienen.
Übrigens: In meinem Hollandurlaub vor sechs Wochen, also noch vor der letzten Preiserhöhung hierzulande, kostete der Liter Milch im Supermarkt etwa 25-30 Prozent mehr als in Deutschland.