Molekulare Auswüchse: Pimp my Tomato!

Wissenschaftlern aus den USA und Israel ist es gelungen, Tomaten zusammenzuschrauben, die – wenn ich es richtig verstanden habe – ein Gen aus der Basilikumpflanze enthalten, so dass die Tomate auch nach Basilikum riecht und schmeckt. Sie nennen es Expressing the Ocimum basilicum geraniol synthase gene under the control of the tomato ripening–specific polygalacturonase promoter.
Bei allem Sinn für Fortschritt halte ich derartige Genmanipulationen für geradezu irrwitzig, weil mir ein so elementarer Eingriff in die Natur aus geschmackskalkulatorischen Gründen absolut nicht einleuchten will. Das ist ähnlich verrückt wie Flugzeuge in die Luft zu schicken, die das Wetter mit dem Versprühen so genannter chemtrails auf sonnig umschalten.

Essen in Holland (2): Zwieback mit blau-weißen Anisstreuseln

Ich staunte nicht schlecht als unsere Urlaubsnachbarin plötzlich mit einem Teller voller blau-weiß bestreuselter Zwiebackscheiben vor unserem Freisitz auftauchte. Woher wusste die Frau (eine Holländerin), dass ich VfL-Fan bin und mir aus Frust über die lange Fußballsommerpause den Bauch ständig mit ungesunden Sachen vollschlage? Hatte sie mich in den letzten Tagen etwa so genau beobachtet?
Egal, dick gebutterter Zwieback mit blau-weißen Anisstreuseln, das ist sogar für einen Kamikaze-Esser wie mich eine extreme gustatorische Herausforderung. Ich hätte mich zwar drücken und ablehnen können, aber die Umstände ließen das nicht zu, denn unsere Nachbarin erklärte, dass sie gerade Oma geworden ist und da sei es in Holland Tradition, bestreuselte Zwiebackscheiben zu essen. Blau-weiße bei Jungen, rosa-weiße bei Mädchen. Gottlob ist es ein Junge geworden, dachte ich. Wenn schon Anisstreusel, dann wenigstens in meiner Lieblingsvereinsfarbe. “Was ist denn bei Ihnen in Deutschland zur Geburt Tradition?”, fragte die Nachbarin und erwischte mich damit sowas von auf dem falschen Fuß, dass ich dachte, ich würde den Rest meines Lebens einbeinig herumhumpeln müssen. “Trinken”, sagte ich in meiner Ratlosigkeit, “die Deutschen trinken Schnaps.” Saufen ist immer noch besser als anisierten Streuselzwieback zu essen, dachte ich.
Ach ja, wie diese Dinger schmeckten, wollt ihr sicher auch noch wissen. Okay, also den Zwieback ohne Feinheiten wie Butter und Anijs Hagelslag (wie diese Streusel in Holland heißen), könnte ich mir ganz gut als Alternativmahlzeit bei Magenproblemen vorstellen.
Mehr zur Farbe Rosa in der nächsten unglaublichen Meldung Essen in Holland.

Tomatentest: Das Aroma liegt im Glutamat des Glibbers

Harald McGee berichtet in seinem neuesten Beitrag auf News for curious cooks über eine Untersuchung, die Spitzenkoch Heston Blumenthal aus dem Fat Duck (England) zusammen mit Professor Donald Mottram von der University of Reading mit Tomaten anging. Es wurden 14 Sorten analysiert, darunter fleischige und gelee-artige. Blumenthal war aufgefallen, dass die gelee-artigen Tomaten zumeist deutlich geschmacksintensiver waren als die fleischigen und wollte der Sache auf den Grund gehen. Nach meinem kleinen Test neulich auf dem Klosterberghof kann ich Hestons Eindruck nur bestätigen, denn da war es auch die gelee-artige Campari-Tomate, die mir deutlich besser schmeckte.
Die Analyse von Heston Blumenthal und Donald Mottram ergab, dass die gelee-artigen Sorten den vier- bis sechsfachen Anteil Glutamat enthalten. Auch Salzgehalt und ph-Werte wurden mit signifikant unterschiedlichen Ergebnissen notiert. Womit das Geschmacksrätsel schon gelöst ist: Tomaten sind dann besonders lecker, wenn sie mit eingebautem Geschmacksverstärker ausgestattet sind. Und den haben nur die richtig glibberigen Tomaten zu bieten.
Mich würde allerdings noch interessieren, inwieweit es eine Korrelation zwischen Glutamatanteil und den Anteilen anderer Inhaltsstoffe wie Antioxidantien, Kalium, Calcium, Magnesium und Vitamin C gibt.

Hoffnung für Junk Foodies: Pommes ohne Acrylamid

Wie heise online heute meldet, ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins Technology Review ein Beitrag zu finden, der sich auf ein Forschungsprojekt des amerikanischen Kartoffelimperiums J.R. Simplot bezieht. Den vom Unternehmen beauftragten Wissenschaftlern sei es angeblich gelungen, Kartoffeln der Sorte Ranger Russet ohne Zugabe fremden Erbmaterials so zu manipulieren, dass beim Frittieren kein krebserregendes Acrylamid mehr freigesetzt wird. Ganz ohne Gentechnik lief die Entwicklung aber dann doch nicht ab, denn die Pflanze wurde durch den Einbau rückwärts geschriebener DNA ihres ursprünglichen Erbguts verändert. Der Tag wird kommen, an dem in menschliche Eizellen auch rückwärts geschriebene DNA eingebaut wird. Und dann können wir in eine Fritteuse hüpfen, ohne Verbrennungen zu erleiden. Oder die Folgen des Klimawandels ohne körperliche Gebrechen durchstehen. Oder beides.