Euro-Gras: Die Alternative zu Koriander

“Ihr müsst Gras fressen!” – das ist eine Ansage, die Mannschaften im Abstiegskampf oft von ihren Trainern zu hören bekommen, wenn bedingsloser Einsatz gefordert ist. Dass Gras nicht nur geraucht, sondern tatsächlich gegessen werden und sogar schmecken kann, erfuhr ich gestern als ich zum ersten Mal in meinem Leben Euro-Gras probierte. Beim googeln fand ich zum Begriff fast nur Sites, deren Betreiber mit Fußballrasen handeln oder deren User Kiffer sind, die stolz berichten, dass sie in den Osterferien mit drei Kumpels für 60 Euro Gras weggeraucht hätten. “Mein” Euro-Gras taucht nur in ein paar Rezepten auf. Immerhin stieß ich bei meinen Recherchen auf einen sehr gut sortierten Kräuterspezialisten, der auch einen Online-Versandhandel betreibt: Rühlemann’s Kräuter und Duftpflanzen. Euro-Gras habe ich dort leider nicht gefunden, aber es sieht unserem Bärlauch ähnlich, riecht und schmeckt aber so wie Koriander, nur weniger intensiv, dafür hat Euro-Gras aber noch eine ganz leichte Schärfe zu bieten, die sich beim längeren Kauen entwickelt. Hat mich voll überzeugt, das Zeug. Da mir Koriander oft zu seifig schmeckt, ist Euro Gras eine prima Alternative, zumal es eben noch diese leichte Schärfe mitbringt. Es kann zum Aufpeppen von Salat, Suppen oder Wok-Gerichten eingesetzt werden.

Asia Shop (extended version): So sieht’s aus im neuen Se Chen

Genau genommen heißt der traditionsreiche Bochumer Asia Shop nun nicht mehr Se Chen, sondern nur noch Se, wie an dieser Stelle bereits berichtet. Die neuen Räumlichkeiten an der Rottstraße, direkt gegenüber der Peep Show Miami’s, sind jedenfalls sehr viel größer angelegt und komfortabler zu durchqueren als das einstige Ladenlokal an der Kortumstraße.
Wie versprochen, habe ich jetzt mal reingeschaut und ein paar Fotos gemacht. Allein in den zehn Minuten vor Ort beklagten sich drei Kunden im Gespräch mit dem Chef darüber, dass sie lange Zeit gar nicht wussten, ob und wenn ja wo, Se Chen weiter existierte. Erfreulicher Weise hatten zwei dieser drei Kunden die neue Adresse über den kompottsurfer gefunden.
Meine Eindrücke vor Ort waren sehr positiv. Das Sortiment ist noch umfangreicher geworden, das Kühlhaus mit Kräutern und Gemüse jetzt dreimal so groß wie das alte. Die Betreiber wollen, angesichts der verbesserten räumlichen Möglichkeiten, das Angebot noch weiter ausbauen. Es gibt neuerdings auch dunkelbraunen Muscovadozucker, der im Aroma deutlich kräftiger und würziger ist als der hellbraune. Er firmiert auch als Dark Brown Soft Sugar. Der Claim zum Firmennamen des britischen Herstellers ist eingängig: TATE + LYLE – TASTE + SMILE. Für nähere Infos zu den Produkten guckst du hier.

Kino: Unser täglich Brot

Gerade entdeckte ich im Bio-Supermarkt einen Programmhinweis auf den Film Unser täglich Brot des österreichischen Regisseurs Nicolas Geyrhalter, der am 29. April im Bochumer Casablanca gezeigt wird. Mit geradezu klinisch steriler Bildsprache nimmt Geyerhalter Herstellungsprozesse in der großen Lebensmittelindustrie ins Visier. Der Film erhielt bereits eine Reihe Auszeichnungen dafür, dass er unbedarften Konsumenten industriell hergestellter Sterbensmittel den Appetit verderben dürfte. Blöd nur, dass genau diese Leute den Film garantiert nicht gucken werden.

Underground Shopping: Tief, tiefer, TIWA

Was für ein bizzarer Einkaufstrip, auf den mein Bruder mich kürzlich in Bad Oeynhausen mitnahm. In einer Lagerhalle im Hinterhof der Kurstadt stieß ich auf das abenteuerlichste Sortiment internationaler Lebensmittel, das mir je begegnet ist. Menschen aus aller Herren und Damen Länder machen die Kundschaft aus, nur vergleichsweise wenige Urwestfalen trauen sich in diese abgerockte Location, obwohl der TIWA von solchen geführt wird. An den Kassen stehen die Kunden mit überladenen Einkaufswagen in langen Warteschlangen, während sie in ihren Hosentaschen nach Geldbündeln fingern.
Der TIWA-Markt ist vor allem eins: billig. Das gilt jedenfalls für die meisten Produkte. Nach den Vorwarnungen meines Bruders hatte ich allerdings nicht erwartet, dass es ein so großes Frischesortiment gibt, das sogar Topinamburkartoffeln, Koriandergrün und diverse mir unbekannte tropische Früchte umfasst. Zugegeben, es gilt schon genau zu gucken, denn ein Teil der Frischeware ist nicht mehr ganz so frisch. Immerhin konnte ich aber für 49 Cent pro 250 Gramm wunderbar kleinblättrigen Feldsalat aus Frankreich ergattern. Und von den drei Avocados, die zusammen einen Euro kosteten, waren immerhin zwei noch okay, wie ich später bei der Verarbeitung feststellte. Das größte Vergnügen bereitet mir aber das Durchforsten der vielen Gänge, die mit teilweise obskuren Waren gefüllt waren. Es gab bei der Entdeckung einiger Produkte Momente, in denen ich vor Lachen Hustenanfälle bekam (s. Fotos).