Vier Köche für ein Hallelujah: Kitchen Impossible kommt mit Weihnachtsedition

Weihnachten gibt’s aufs Maul, da braucht man kein Prophet sein. Wenn Tim Mälzer, Tim Raue, Christian Lohse und Roland Trettl das nächste Mal bei Kitchen Impossible (VOX) fiese Auftragskisten tauschen, wird das nämlich mit gefühlsduseligem Adventsbacken so viel zu tun haben wie Weihnachten mit Halloween. Die Burschen werden sich Saures geben, wenn sie diesmal in Zweierteams raus in die Welt ziehen, um sich dort gegenseitig an den Rand des Wahnissns zu treiben.

Arschkalt dürfte es für Trettl und Lohse werden, die in Alasaka ein Weihnachtsmenü nachkochen müssen. Viel mehr verrät der Sender aber nicht. Macht nix. Der kompottsurfer wird sich das Gemetzel so oder so angucken. Und zu viel Spoilern senkt ohnehin die Neugierde.

“Wir haben viel Freude daran, uns gegenseitig in die Scheiße zu reiten,” sagt Mälzer über die DNA der Sendung. Und genau das merkt der Zuschauer, weshalb er auch beim vergleichsweise kleinen Sender VOX dranbleibt, wenn Mälzer zum Duell bittet.

Die Kollegin Denise Snieguole Wachter beleuchtet in einem lesenswerten Beitrag auf stern.de den Erfolg von KI. Der kompottsurfer hatte schon zum Sendestart 2014 sein Vergnügen beim Zuschauen und gehofft, dass am Ende mehr als nur eine Pilotfolge dabei herauskommt. Denn so kann Fernsehen Kochen und Unterhaltung auf kurzweilige Weise vereinen: Die richtigen Zutaten (liebenswerte Rotzlöffel wie Mälzer, Raue und Co.), ein gutes Rezept (Kampf von Mann gegen Mann oder Frau bis an die Grenze des Zumutbaren) ein passendes Setting, umrühren, fertig.

Den nächsten Sendetermin also schon mal vormerken: Sonntag, 10. Dezember um 20.15 Uhr auf VOX.

Neue Staffel The Taste: Wenn nicht jetzt, Wan Tan?

Aus der Erfahrung mit der Vorstaffel ohne Tim Mälzer hab’ ich mir die ersten beiden Sendetermine der aktuellen 5. Staffel geschenkt. Für mich gehört zu The Taste auch eine fette Portion frecher Sprüche – vor allem beim nicht sonderlich spannenden Nominierungskochen. Und da fehlen eben Mälzers Schmähkritiken, die Kreationen schon mal als “verfurztes Popcorngericht” abservieren. Und Sprüche, wie die wahrscheinlich amüsanteste Einlassung der Sendungsgeschichte überhaupt: “Ente und Risotto macht man nicht? Wer sagt denn das? Die Entenpolizei?”

Die teilweise Angestrengtheit der Juroren schlägt leider auch auf die Kandidaten durch. Es ist so ein bisschen wie im Fußball, wo man die Typen mittlerweile mit der Lupe suchen muss, die neben ihren Fähigkeiten am Ball auch noch Eskapaden und coole Sprüche zu bieten haben. Alle so artig und zahm geworden. Eintracht Frankfurts einstiger Stürmer Jan-Aage Fjörtoft hat mal über seinen Trainer gesagt: “Ich weiß nicht, ob Felix Magath die Titanic gerettet hätte. Aber die Überlebenden wären auf jeden Fall topfit gewesen.” Warum nicht mal so einen Spruch über Roland Trettl machen?

Von mir aus steinigt mich, aber könnten sie bei The Taste nicht auch noch nach Belustigungsfaktor casten? Nach dem Motto: Es zählt nicht nur der Geschmack, sondern auch der Unterhaltungswert? Schließlich ist das Geruchs- und Geschmacksfernsehen noch nicht verbreitet. Da brauche ich als Zuschauer mehr. Also ich ganz persönlich jedenfalls.

Ein paar Lichtblicke gab’s aber doch. Als Frank Rosin die Hose runterlässt, weil irgendwas mit der Tonübertragung nicht funktioniert, sagt Cornelia Poletto trocken: “Das tut mir jetzt leid für euch.” Und Alexander Herrmann kommentiert einen Löffel mit dem Spruch: “Wenn nicht jetzt, Wan Tan.” Ja, ich stehe auf derartige Flachwitze. Also, geht doch. Gerne mehr davon. Gefühlte fünf Stunden Sendezeit sind sonst nur schwer durchzuhalten.

Einige der eingespielten Musikschnipsel gefallen mir übrigens richtig gut. In dieser dritten Runde war es Puff Daddys und Jimmy Pages “Come with me” aus dem legendären Godzilla-Soundtrack. Kurz danach sieht man Kandidat Christian mit einem so finsteren Blick, das man vermuten konnte, er wolle auf der Stelle irgendein Monster im Studio zur Strecke bringen. Dabei hat er nur den Worten des Gastjurors Hans Neuner gelauscht, der als Pflichtprodukte für die nächste Runde Seeigel, Jakobsmuschel und Taschenkrebs zur Auswahl gestellt hatte. Passte irgendwie.

In Sachen Quote sieht es noch etwas dürftig aus. Man ist mit 1,18 Mio Zuschauern noch reichlich weit von den Durchschnittswerten der Vorgängerstaffeln entfernt. Der Trend setzt sich fort, dass das Zuschauerinteresse über die Jahre nachgelassen hat. Von 1,98 Mio (2013) über 1,80 Mio  (2014), 1,64 Mio (2015) und 1,68 Mio (2016) jetzt unter 1,2 Mio. Ein wenig besser sollte es in den nächsten Runden noch werden, sonst könnte der Sendung möglicherweise der Quotentod drohen. Und das wäre, trotz aller Kritik an dieser Stelle, jammerschade. Ich gehe jedenfalls als Vorbild voran und schalte bei den nächsten Runden wieder ein. Wer was verpasst hat, findet in der Mediathek noch was zum Aufwärmen.

Auch das noch: Kerners Köche wiederbelebt

Also gut, mit The Taste und Kitchen Impossible ist es für den kompottsurfer erstmal vorbei, denn mit der heutigen Umstellung auf DVBT-2 sind die privaten Sender per Antenne nur noch kostenpflichtig zu empfangen. Und für eine Handvoll ansehbarer Sendungen Geld rauswerfen, das hauptsächlich in Fremdschämprogramm investiert wird? Nein, danke. Netflix und gebührenfinanziertes TV müssen reichen. Es sei denn, die olle Satellitenschüssel auf dem Dach lässt sich reaktivieren. Muss aber nicht sein.
Genauso wie die Reaktivierung von Kerner’s Köche nicht sein muss, die vor knapp zwanzig Jahren im ZDF Premiere feierte. Als Moderator Johannes B. Kerner zu Sat1 abwanderte, übernahm Markus Lanz die Sendung, die schließlich im Dezember 2012 eingestellt wurde. Nun also wieder Kerners Köche. Zwei von Kerners alten Spezis sind auch wieder dabei: Johann Lafer und Alexander Herrmann. Dazu kommen Meta Hiltebrand (bekannt aus Kitchen Impossible und Die Küchenschlacht) sowie Alexander Kumptner. Alexander wer? Ein fescher Österreicher mit Waschbrettbauch, der in der Alpenrepublik mit Kinderkoch-Shows populär wurde und in der Wiener Albertiner Passage ein Restaurant mit Fusionsküche führt.
Fällt denen beim ZDF wirklich nichts Neues mehr ein? Zumal ab 2018 das Ende der Übertragungen von Spielen aus der Fußball-Champions-League droht. Dann schwindet vermutlich auch das letzte bisschen Attraktivität für die Zuschauer unterhalb des Renteneintrittsalters. Okay, erstmal ist Kerners Köche auf samstags 16.15 Uhr terminiert (erster Sendetermin 1.4.), aber es steht zu befürchten, dass die Mainzer Programmmacher im Überschwang der Ideenlosigkeit Kerners Köche schon bald das Abendprogramm abkochen lassen. Hoffentlich werde ich eines Besseren belehrt.

Tim Raue erster deutscher Koch in der kulinarischen Kultstaffel CHEF’S TABLE

Ich gebe offen zu, Netflix nicht in erster Linie wegen der großartigen Serie über internationale Spitzenköche anzusteuern. Chef’s Table wirkt neben den von mir gesuchteten Serien wie House of Cards und der Riege der Superhelden (Daredevil, Jessica Jones, Luke Jones, Arrow) wie Arte-Programm, für das ich mich eher selten erwärmen kann. Gleichwohl fasziniert mich die Serie. Weil die Köche Innereien offenbaren. Aspekte ihres emotionalen Ichs, die sich später in ihren Kreationen widerspiegeln. Ob Kochen Kunst ist, hängt auch mit dem Blickwinkel zusammen aus dem es betrachtet wird. Und in Chef’s Table zeigt der Blickwinkel Kunst. Und Künstler. Ein Gericht wird aus meiner Sicht nicht durch den Blick auf den Teller zur Kunst, vom Ende her zu denken funktioniert zumindest beim Essen nicht. Vielmehr ist der Anfang wichtig. Die Idee, der Schaffensprozess.
Nun wird mit Tim Raue der erste Koch aus Deutschland in der Serie vorgestellt. Warum gerade er? Gäbe es hierzulande nicht auch andere Kandidaten seiner Klasse? Klar, die gibt es. Ich weiß natürlich nicht, warum Raue ausgesucht wurde. Ich weiß nur: Ich hätte ihn auch ausgesucht. Er hat einen steinigeren Weg zurücklegen müssen als die meisten seiner Kollegen, schon da gibt es was zu erzählen. Außerdem wirkt er in seiner rustikalen Art authentisch und trägt das Herz auf der Zunge. Es wird Zeit, meine hier vor gut acht Jahren mal formulierte Kritik zu relativieren, alles unter dem Vorbehalt, dass ich ihn zwischenzeitlich nur mal kurz am Rande einer Veranstaltung gesprochen habe, ihn also weiterhin nur anhand seiner Medienauftritte beurteilen kann. Wie auch immer, Raue wirkt auf mich nicht mehr so getrieben wie früher. Ich sehe ihn gerne. Jetzt also in der neuen Staffel Chef’s Table.