Schon mal füllkranken Wein getrunken?

Am letzten Donnerstag hatte ich erstmals das zweifelhafte Vergnügen: Im rheinhessischen Weingut Kühling-Gillot gab’s ganz frisch abgefüllten Giro X, eine 2004er Rotweincuvée, die zuvor in gebrauchten Holzfässern reifte. Komplett verschlossen, der gute Tropfen zudem noch viel Kohlensäure vorhanden.
Der ebenfalls präsentierte Spätburgunder Trocken QbA dagegen hatte die zeitgleich erfolgte Abfüllung besser überstanden, enthielt auch weniger Kohlensäure und zeigte schon eine verführerische Primärfrucht. Stolz schenkte mir die junge Kellermeisterin, Carolin Gillot auch vom 2005er Riesling C ein, der im Angebotsegment qualitativ zwischen Gutswein und Großes Gewächs anzusiedeln ist. Die Trauben stammen vom roten Hang, mit seinem besonderen Rotschieferuntergrund, daher die typische Mineralik des Weins. Dazu kommen feinfruchtige Aprikosen- und Zitrusnoten. Carolin Gillot kann zurecht stolz sein auf diesen Wein, der mit einer für dieses Preissegment außerordentlichen Finesse gesegnet ist.
Das toppte nur noch das Große Gewächs vom Oppenheimer Sackträger. Ich habe allerdings auch nicht alles aus dem Angebot des Hauses probiert. Oppenheimer Sackträger – wie ich diese Lagen-Namen liebe …. Mehr Infos

Wird Deutschland bald ein Rotweinland?

In der neuen Holzausgabe des Gault-Millau-Magazins spekuliert Autor Norbert Lewandowski sehr nachvollziehbar über die Folgen des Klimawandels, der Deutschland schon in wenigen Jahren Probleme mit den Rieslingen und neue Optionen in Sachen Rotwein bringen könnte. Die ständig steigenden Durchschnittstemperaturen könnten sogar den Charakter der Weine in ganz Europa verändern. Besonders hart träfe es die Rieslinge, die dann nicht mehr filigran und rassig meinen Gaumen verzaubern, sondern opulent und wuchtig gnadenlos durch meine Kehle barocken würden. Hilfe, nein, so was will ich nicht. Die Chancen auf bessere Rotweinqualitäten aus Germany trösten mich da überhaupt nicht. Immerhin stellt Lewandowski in Aussicht, dass Rieslinge, die meinen Vorlieben entsprechen, dann aus Gotland kommen könnten. Erste erfolgreiche Versuche gibt’s dort übrigens schon.