Bier (1); 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot, nur der Verbraucher hält sich (manchmal) nicht daran.

Genau 500 Jahre ist es her, dass im Herzogtum Bayern folgender Erlass erging: Wir wollen auch sonderlichen, das füran allenthalben in unnsern Steten, Märckten und auf dem Lannde, zu kainem Pier merer Stückh, dann allain Gersten, Hopffen unnd Wasser, genommen und gepraucht sollen werden.
Seither gilt 1516 als Geburtsjahr des Reinheitsgebotes für deutsches Bier. Laut Wikipedia soll es schon zu früheren Zeiten Brauordnungen für Bier gegeben haben, aber das würde jetzt zu weit führen. Warum der kompottsurfer das Thema jetzt aufgreift, hat einen unerfreulichen Grund. Zum zweiten Mal innerhalb von nur wenigen Monaten öffneten wir hier im Hause eine Bügelflasche Pils, die statt angenehm herb duftendem Hopfenaroma eine unangenehme Aschenbechernote offenbarte.
Nach Rücksprache mit der Brauerei ist das undelikate Delikt von Verbrauchern verursacht, die Bügelflaschen als Aschenbecher missbrauchen. Gerade in der Grill- und Freiluftsaison, wo so mancher Flascheninhalt draußen gegluckert wird, ertränken einige Biertrinker ihre glimmenden Zigarettenstumpen in fast leere Flaschen und verschließen sie dann mit dem Bügel. Liebe Biertrinker: Bitte lasst diese Unsitte! Die Reinigungsanlage für die Flaschen schafft es nicht immer, den extrem hartnäckigen Geruch, der sich an den mehrfach genutzten Verschlüssen festsetzt, rückstandsfrei zu lösen. Und schon hat der nächste Biertrinker diesen wirklich üblen Gestank am Hals.
Das Reinheitsgebot ist also keinesfalls nur eine Sache der Brauer. Auch der Verbraucher kann seinen Beitrag leisten.

Propellerbier: Stark im Geschmack, stark im Alkohol. Hicks.

Am vergangenen Wochenende servierte mir mein Bruder ein wahrhaft ungewöhnliches Starkbier mit einem mindestens ebenso ungewöhnlichen Namen: Propeller Aufwind.(6,5 Vol. %) Der helle Gerstensaft wird von der Bad Laaspher Brauerei Bosch produziert und überzeugte mich durch ein frisches Aroma, das von Zitrusnoten (v.a. Limette) geprägt und gleichwohl würzig ist, komplettiert durch eine nachhaltige Hopfenbitternote.
Das Bier wird ohne jedwede Zusatzaromen traditionell hergestellt. Es ist filtriert und macht auch in Farbe und Schaum einen sehr guten Eindruck. Im Gegensatz dazu ist der Propeller Nachtflug ein sehr gewöhnungsbedürftiges dunkles Starkbier (9,1 Vol.%) der Machart Imperial Stout, das ich nur aus Schnapsgläschen zu trinken vermag. Die Bitternoten der Röstaromen plus Süße und Alkohol verdichten sich zu einem derart intensiven Geschmackserlebnis, das ungeübten Gaumen wie dem meinen nur in gering dosierten Mengen zuzumuten ist. In jedem Fall aber eine Erkundung wert. Apropos wert: Billig sind die Propeller nicht. Im Online Shop der Brauerei kostet eine Kiste mit 18 Flaschen a 0,33 Liter sportliche 39,90 Euro, zuzüglich Versandkosten. Für Bierliebhaber, die nicht nur quantitativ trinken, trotzdem zu empfehlen.

Meh’ Bier, unser Lebenselixir. Meh’ Bier, denn ich bin der Biervampir.

Das besondere Vatertagsangebot

Liebe Leute, was war das denn bitte für ein Spektakel heute auf dem Leinpfad an der Ruhr? Vatertägige Männermassen tranken literweise Gerstensaft und grölten schmutzige Lieder als hätten sie nicht mehr alle Biertassen im Schrank. Bei meiner Mountainbiketour zum Langenberger Sender hab’ ich zwar nur 2 Kilometer Leinpfad abgestrampelt, aber unfassbar, was schon auf dem kleinen Stück abging. Und auf der Ruhr ein Floß, in der Mitte ein Bierfass, drumherum fünf Kerle mit Schlagseite, kurz vorm Absaufen.
Bevor ich dann zum Isenberg hochfuhr, entdeckte ich noch die Hinweistafel einer Gaststätte. Darauf stand: “Köpi, 5 l Fass 25 Euro, pro Liter 5 Euro.” Wie besoffen muss Mann sein, wenn er nicht mal mehr 25:5 rechnen kann? Vermutlich haben die Gastronomen in der Vergangenheit aber ihre Erfahrungen gemacht und keinen Bock mehr auf die Frage, wie teuer denn dann ein Liter ist.
Nach meiner Radrunde ging’s gleich auf die Laufstrecke. Kopfhörer auf und Zufallswiedergabe gedrückt. Da sind weit über 1.000 Songs im Speicher, aber welches Stück kommt? Genau. Fettes Brot mit Meh’ Bier.
Meh’ Bier – unser Lebenselixir.
Meh’ Bier – wozu sind wir sonst denn hier.
Meh’ Bier – weckt das Partytier in mir.
Meh’ Bier – denn ich bin der Biervampir.
Und als ich dann irgendwann zuhause war, hab’ ich mir erst mal ‘ne Pulle aufgemacht. Das war ja Folter unterwegs.

Höchster Biergenuss aus den Alpen: Monsteiner

In der Schweiz hat alles irgendwie Tradition. Die Uhren, die Taschenmesser, die Geldwäscher und das Bankenwesen. Kulinarische Genüsse sowieso. Wie Bündnerfleisch, Käsefondue, Raclette und Rösti. Und als ich dann von der höchstgelegenen Brauerei Europas hörte, von einem Bier aus Monstein im Stadtgebiet von Davos, da dachte ich, klar, die brauen hier sicher schon seit 1.000 Jahren Bier. Mindestens.
Aber weit gefehlt. Die Monsteiner Biervision, so heißt der Brauereibetrieb, wurde erst im Jahre 2000 als Aktiengesellschaft gegründet, die mittlerweile über 1.100 Aktionäre aus aller Welt vereint und befindet sich in der ehemaligen Dorfsennerei, inmitten des Walserdorfes Monstein, wo ich letzten Samstag bei meinem Swiss Alpine Ultramarathon K78 durchlief. Leider waren da erst rund 15 Kilometer auf der Uhr, sonst hätte ich schön vor Ort ein Pülleken als Wegzehrung weggegluckert. Aber so musste ich mit dem Bier bis zum Abend warten. Dafür schmeckte es dann besonders lecker. Es ist allerdings ganz und gar kein Mainstreambier sondern ein vollmundiger Gerstensaft mit deutlichen Ecken und Kanten, der vergleichsweise wenig Kohlensäure aufbietet.
Die Monsteiner Brauer produzieren inzwischen auch Single Malt Whisky und Bierbrände. Wie gut die sind, konnte der kompottsurfer noch nicht überprüfen. Aufgrund einer  irreparabel defekten Abfüllanlage, die erst 2009 angeschafft worden war, geriet das Unternehmen kurzzeitig finanziell unter Druck. Mittlerweile wurde das Problem aber durch eine Kapitalerhöhung gelöst.
Ach ja: Nicht erschrecken, wenn ihr die Webseite aufruft. Musik liegt in der Luft …