slowbier 2009: Es schäumt in Oberfranken

Bierfreunde sollten ihren Terminkalender zücken und für das letzte Wochenende im April ein paar Tage freiräumen, denn dann wird in den oberfränkischen Örtchen Münchberg und Helmbrechts die slowbier 2009 abgehalten. Es dürfte in diesem Jahr wohl keine anderen Orte auf der Welt geben, wo eine derart eindrucksvolle Vielfalt von Bieren zur Verkostung bereitstehen. Oberfranken, und das hat sich leider immer noch nicht weit genug herumgesprochen, verfügt nicht nur über die größte Brauereidichte der Welt, sondern auch über ausgesprochen viele qualitätsbesessene Braumeister.
Es wird in Münchberg und Heimbrechts nicht nur zünftig, sondern auch feinsinnig zugehen und reichlich Gelegenheit geben, Beweise zu finden, wie viele überzeugende Kombinationen von Bier und Speisen es tatsächlich gibt.

Schokolade – die Geschichte einer chemischen Höchstleistung

Tiefe Einblicke u.a. in die Details der Schokoladenherstellung liefert Prof. Dr. Klaus Roth in seinem unbedingt empfehlenswerten Buch Chemische Delikatessen, das 2007 beim Fachverlag WILEY-VCH erschienen ist. Roth lehrt am Institut für Chemie und Biochemie der FU Berlin und schafft in seinem Buch das, was Naturwissenschaftlern leider viel zu selten gelingt, nämlich für den Laien kompliziert erscheinende Inhalte verständlich zu vermitteln. Also: Hut ab!
In dem 23 Kapitel umfassenden, üppig bebilderten Werk, sind zehn Kapitel kulinarisch relevanten Themen gewidmet. Es geht um Bier, Espresso, Pesto, Lakritz, Absinth, Glucose, Weinsäure, Feuerzangenbowle und eben Schokolade. Der Leser erfährt alles über den hochkomplexen Produktionsprozess und historische Entwicklungen, zum Beispiel, welche Vorläufer der Schokolade es gab und wie weit der Kakao der Azteken von dem entfernt war, was heute als pulverisierte Instantmischung zu kaufen ist. Roth erläutert anschaulich, wann und warum Sojalecithin Einzug in die Kakaomasse hielt und wie der Prozess des Conchierens abläuft.
Natürlich haben mich nach meinen vielen Versuchen zur Herstellung von ei- und sahnefreier Mousse au Chocolate die Infos zu den Inhaltsstoffen besonders interessiert, aber ich will hier nicht alles vorwegnehmen. Nur noch so viel: Es ist eine Mär, dass der Genuss von Schokolade den Spiegel des so genannten Glückshormons Serotonin beeinflusst, denn der Gehalt von Tryptophan, einer in der Schokolade enthaltenen Aminosäure, schreibt Roth, sei viel zu gering, um physiologisch zu wirken und weist auf eine 1993 veröffentlichte Arbeit seiner Kollegen Michener und Rozin hin. Dass Schokolade emotionale Hochgefühle bescheren kann, bestreitet auch Roth nicht, aber er sieht die Ursachen dafür im psychologischen Bereich. Es ist schon erstaunlich: Schokolade, ein an seinen Inhaltsstoffen gemessen drogenfreies Erzeugnis, wirkt wie ein Rauschmittel. Der Lebensmittelchemie sei Dank.

Ein sehr spezielles Bier: Döllnitzer Ritterguts Gose

Wenig Alkohol, eigenwillige Aromatik, große Tradition und ein lustiges Etikett: das Döllnitzer Ritterguts Gose Bier. Ich ließ gerade mal ein halbes Literchen durch meine Kehle gluckern und muss sagen, dass ich noch kein deutsches Bier mit ähnlichem Aroma getrunken habe. In diesem Fall ist das nicht gerade ein persönliches Gütesiegel, obwohl Ritterguts Gose zu den besten hundert Bieren der Welt gezählt wird. Das Bier, leicht trüb, ist mir nicht ausbalanciert genug. Die deutlich säuerliche und an Koriandersamen erinnernde Note des obergärigen Bieres wirkt mir zu dominant, und das Bier macht einen etwas ausgezehrten Eindruck. Die vergleichsweise geringen 3,9 Vol% Alkohol könnten dafür eine Erklärung sein. Aber das alles ist natürlich Geschmacksache. Probieren sollte man das Ritterguts Gose auf jeden Fall.
Gose steht für Goslarisches Bier. Es hat eine 1000-jährige Geschichte und die ist recht unterhaltsam zu lesen. Die Brauerei Döllnitzer Ritterguts Gose gibt es seit 1824.