Gästeüberwachung im Sternelokal? Nelson Müller wehrt sich gegen Kritik.

Ausgerechnet Nelson Müller. Der sympathische Sterne- und Fernsehkoch aus Essen muss sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, Mitarbeiter und Gäste in seinem Lokal Müllers an der Rü gefilmt zu haben. Im Hamburger Wirtschaftsmagazin Bilanz fällt sogar die Vokabel Bespitzelung. Ein Sprecher des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW (LDI) bestätigt eine anonyme Beschwerde in dieser Angelegenheit.
Laut Bilanz bestreitet Müllers Anwalt Heiko Pleines allerdings jede Form der Bespitzelung von Mitarbeitern und Gästen, nicht aber die Existenz von Überwachungskameras. Die aber sollen ausschließlich der Bekämpfung von Diebstählen gegolten haben. Müller habe mit seinem Mobiltelefon auf die Kameras zugreifen können, heißt es weiter. Von wem die Information genau stammt, ist nicht bekannt. Es soll sich aber um ehemalige Mitarbeiter handeln, die dem LDI einen entsprechenden Hinweis gaben.  Gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) erklärte der Sprecher des LDI NRW: „Es darf keine permanente Verhaltens- und Leistungskontrolle geben.“ Außerdem dürften Gäste selbstverständlich nicht beim Speisen oder an den Tischen gefilmt werden.
Dem kompottsurfer liegen Informationen vor, dass nicht nur bei Nelson Müller Kameras eingesetzt wurden, sondern auch in dem ein oder anderen weiteren Spitzenrestaurant. Dabei soll es sich in erster Linie um Kameras handeln, mit denen man von der Küche aus den Gästebereich überblicken kann. Allerdings werden davon weder Aufzeichnungen angelegt, noch gibt es Mikrofone im Gästeraum. Der kompottsurfer ist der Ansicht, dass man keine pauschalen Urteile über die Kameraüberwachung fällen kann. Dass die Küche Einblick in den Gastraum hat, kann organisatorisch sinnvoll sein und den Köchen außerdem den Eindruck vermitteln, nicht anonym für irgendwen zu kochen. Der Fairness halber wäre es aber schon angezeigt, einen entsprechenden Hinweis an der Eingangstür anzubringen. Man wird sehen, wie das Ganze im Fall Nelson Müller weitergeht.

The Taste: Teamwork und Fairplay. Der kompottsurfer ist gerührt.

Keine Ironie, der kompottsurfer ist tatsächlich gerührt, wie fair die Kandidaten in den gestrigen Runden miteinander umgegangen sind, ja, wie sie sogar Konkurrenten aus anderen Teams unterstützten. Auch wenn die Sendung letzten Endes als Wettkampf zwischen Einzelkämpfern inszeniert ist, so wurde gestern klar, dass Kochen auf höherem Niveau Mannschaftsport bleibt. Und wenn dann auch noch die Trainer ein bisschen Zurückhaltung üben, entsteht tatsächlich der Eindruck, dass es bei The Taste nicht nur um den Geschmack geht, wie immer wieder betont wird, sondern auch um den Spaß am Kochen, um Experimentierfreude und um ein Gemeinschaftserlebnis.
Klar, man mag bedauern, dass die Coaches Frank Rosin und Tim Mälzer ihre Wortgefechte nahezu auf Waffenstillstandsniveau heruntergefahren haben, aber das hat auch sein Gutes, denn was zu Beginn der Staffel noch unterhaltsam sein kann, nutzt sich schnell ab. Bedauerlich ist, dass Kai aus Lea Linsters Team hinausflog, obwohl nicht er seinen Einstiegslöffel beim Kochen nach Kontrasten vergurkt hatte, sondern Carine. Ende vom Lied: Weil Coach Lea Linster zu entscheiden hatte, wer aus ihrem Team gehen muss, entschied sie sich – nach eigenem Bekunden – für Harmonie mit Carine statt für mögliche Reibung mit Kai. Mit fatalen Folgen. Carine flog im Entscheidungskochen raus, und Lea hat nun keinen Kandidaten mehr im kommenden Halbfinale. Frank Rosin ist noch mit Tattoo Timo im Rennen, Tim Mälzer hat noch Ole und Malte dabei, und Alexander Doktor Herrmann kann sogar noch mit drei seiner ursprünglich vier Kandidaten um den Sieg kochen.
Auf Facebook wird das Geschehen, wie immer, heiß diskutiert. Und Lea bekommt reichlich auf die Kochmütze. “Selbst Schuld Frau Lea Linster!” heißt es da, und “Leas Entscheidung absolut kirre, hat mit Kai einen der stärksten Teilnehmer rausgeworfen”, oder auch “Lea hat ihr Team selber ruiniert, von Anfang an”. Es gibt längst Forderungen, Lea Linster durch Steffen Henssler ersetzen zu lassen. Aber nein, drei Kerls reichen. Ein noch höherer Testosteronspiegel der Sendung würde zudem die zulässigen Grenzwerte der kompottsurfer-Kontrollbehörde bei weitem überschreiten. Sollte der Sender eine Umbesetzung der Coaches erwägen, dann vielleicht mit einem Austausch von Lea Linster durch Cornelia Poletto oder Sarah Wiener. Sie kochen vielleicht nicht so gut wie Lea, aber möglicherweise haben sie mehr zu sagen und ein besseres Händchen im Umgang mit ihren Schützlingen.
Was bleibt? Klar, die Frage nach dem Favoriten. Sechs Kandidaten sind noch dabei, nur einer ist echter Hobbykoch, alle anderen sind mehr oder weniger Profis. Der kompottsurfer setzt auf Ole aus Hamburg. Erstmal. Dann wird es darum gehen, dass Thema Liebe zu interpretieren. Dreisternekoch Thomas Bühner aus dem Osnabrücker La Vie wird dabei als Special Guest die erste Runde beurteilen und bei der zweiten Runde den Sieger aus der ersten Runde unterstützen. Der kompottsurfer traf Thomas Bühner erst vor wenigenTagen bei der Busche Gala im Breidenbacher Hof. Über die Sendung hat er natürlich noch nichts verraten.
Beim Finale wird dann Heiko Antoniewicz als einer von zwei Gastjuroren am Start sein und zum Thema Aromenharmonie urteilen. Unter anderem am konkreten Beispiel Banane und Petersilie, einer Kreation, die der kompottsurfer 2007 im Rahmen von Martin Lerschs Flavour Pairing Experimente schon mal zum Thema hatte und die später auch in unserem Buch Verwegen Kochen Eingang fand.

kompottsurfer überlebt drei weitere Stunden The Taste

Es hatte nicht ganz den Unterhaltungswert der Auftaktsendung, wo Mälzer und Rosin als Links- und Rechtsaußen passable Wortgefechte austrugen, aber insgesamt waren die drei Stunden Fernsehverköstigung von The Taste durchaus in Ordnung. Zugegeben, diverse Anzüglichkeiten waren nicht nach dem Geschmack des kompottsurfers, der sich unter “kulinarischem Sexspielzeug” kein Löffelchen mit Häppchen vorstellt und “gegenseitiges Befruchten” im Team eher für eine Eskapade aus dem Container von Big Brother hält.  Auch Mälzers angekündigter Kalauer konnte kaum mehr als ein müdes Lächeln auslösen. Wer das Image eines rotzfrechen Typen pflegt, wie Tim Mälzer, sollte die Eier haben, einen Kalauer ohne Vorwarnung rauzuhauen. Kann er besser. Seine Kollegenschelte bei der Bewertung der Löffeldegus zum Thema Norwegen, wo er von ,,brachialer Inkompetenz” schwadronierte, war jedenfalls eine köstliche Inszenierung. So macht Mälzer Spaß.
Apropos besser. Die Besetzung der Teams scheint besser gelungen als in Staffel 1, das Niveau höher. Bedauerlich nur für die Kandidaten, dass die Siegprämie wohl eingekocht wurde. So hieß es irgendwann in der Sendung, dass es für den Besten 50.000 Euro zu gewinnen  gäbe, also nur noch die Hälfte vom Preisgeld der ersten Staffel, wo es obendrauf noch ein Auto gab. Jetzt gibt es obendrauf ein Kochbuch, dass der Sieger herausgeben darf, oder besser muss. Aber bevor damit mal 50.000 Euro plus Auto verdient sind – von der zusätzlichen Arbeit abgesehen – müsste das Ding schon sehr erfolgreich werden.
Und sonst? Auf Facebook wird die Frauenquote diskutiert, weil Carine statt Wolfgang in Lea Linsters Team bleiben durfte. Interessanter Gedanke, den Carine mit einer Bemerkung während der Sendung befeuert hatte. Im Prinzip ging es sogar um mehr, wenn man es genau nimmt: nämlich Frauenquote gegen Altersdiskriminierung, denn Wolfgang bringt es immerhin schon auf 67 Jahre. Unter dem Stichwort Alterdiskriminierung ist auf Wikipedia übrigens folgendes zu lesen: “Der Ausdruck Altersdiskriminierung bezeichnet eine soziale und ökonomische Benachteiligung von Einzelpersonen oder von Personengruppen aufgrund ihres Lebensalters. Den Betroffenen wird es im Falle einer Diskriminierung erschwert, in angemessener Weise am Arbeitsleben und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.”
Ja, natürlich wurde bei The Taste auch gekocht, aber das Geruchs- und Geschmacksfernsehen ist noch nicht erfunden, also hält sich der kompottsurfer da lieber zurück. Im Moment zumindest noch ;-). Der Zuschauerzuspruch blieb mit 1,82 Millionen in der zweiten Folge stabil im Vergleich zur Auftaktsendung (1,81 Mio.), wobei der Marktanteil bei 9,2% lag. Höher sei er lediglich beim Auftakt von Staffel 1 gewesen, schreibt das Quotenmeter heute.
.

The Taste: Was wurde eigentlich aus Vorjahressiegerin Felicitas Then?

Pünktlich zum Start der neuen Staffel der SAT1-Kochshow The Taste bewirbt Vorjahressiegerin Felicitas Then ihr Kochbuch  mit dem schüchternen Titel Die fabelhaften Rezepte der Felicitas Then. Klassiker und neue Gerichte mit Wow-Effekt. Die Journalistin hat nach eigenen Angaben ihren ursprünglichen Redaktionsjob zugunsten des Kochens aufgegeben, und man kann durchaus den Eindruck haben, dass sie jetzt ihrer großen Leidenschaft folgt. Sicherlich kein schlechter Entschluss für die Lebensplanung. Hier ein Trailer zu ihrem Kochbuch: